Innerhalb
der Klasse der Kriechtiere (Reptilia) gehört die unter Artenschutz
stehende Kreuzotter zur Ordnung der eigentlichen Schuppenkriechtiere (Squamata).
Hier zählt sie zu den rund 60 verschiedenen Arten der Vipern (Viperidae).
Das riesige Verbreitungsgebiet der Kreuzotter erstreckt sich von Großbritannien
im Westen quer durch Europa und durch ganz Russland bis zur Pazifikküste
im Osten. Selbst in Skandinavien kann man ihr regelmäßig nördlich
des Polarkreises begegnen, womit sie wohl die am weitesten nördlich
vorkommende Schlangenart sein dürfte. In den Beneluxländern ist
das Vorkommen der Kreuzotter auf die Region der Maas-Zuflüsse in den
Provinzen Hainaut, Namur und Luxemburg beschränkt. In den überwiegenden
Gegenden des Mittelmeerraums ist sie jedoch nicht zu finden.
Die
Kreuzotter bewohnt sehr unterschiedliche Lebensräume, darunter Moore,
Heiden, Dünen, Waldlichtungen, Hecken, Feldränder und Sumpfwiesen.
Die Schlange hält sich im allgemeinen dicht am Boden auf, doch mitunter
klettert sie auch gerne einmal auf niedrigwüchsige Büsche. Als
ausgezeichnete Schwimmerin ist sie recht häufig in Wassernähe
zu finden.
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Die
Kreuzotter ist eine der schlankesten Vipern, wobei der Körper im Verhältnis
zur Länge ziemlich dick ist. Die Weibchen der Kreuzotter sind im Durchschnitt
deutlich größer als die Männchen. Im Normalfall erreicht
diese Schlangenart eine Länge von 50 - 60 cm, in Außnahmefällen
aber auch bis zu 90 cm. Der Schwanz ist kurz und hat eine hornige Spitze.
Der vom Körper abgesetzte Kopf ist oval mit einer abgerundeten Schnauze.
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Warum heißt
diese Viper Kreuzotter? Namensgebend ist das dunkle fast
schwarze Zickzack-Band auf dem Rücken, das wie aneinander gereihte
Kreuze aussieht. Außerdem hat sie dunkle Flecken an der Körperseite.
Auf der Kopfoberseite hat sie eine X-oder V-förmige Zeichnung und
einen breiten Schläfenstrich vom Auge bis zum Hals. Diese Zeichnungen
sind bei den Männchen stärker und von dunklerer Farbe als bei
den Weibchen.
Die
Rückengrundfarbe der Kreuzotter variiert stark: bei den Männchen
von fast weiß über alle Schattierungen von grau bis gelbbraun,
bei den Weibchen von sandgelb über gelb-rot bis dunkelbraun. Der Bauch
ist grau, graubraun oder schwarz gefärbt und weist manchmal helle
Flecken auf.
Seltener
gibt es einheitlich gefärbte Tiere. Die Rötlichen nennt man Kupferotter
und die Schwarzen Höllenotter.
Die
Höllenotter wird im allgemeinen nicht schwarz geboren, sondern dunkelt
im Verlauf der ersten zwei Lebensjahre ein. Insgesamt ist bei Jungtieren
der Farbkontrast stärker als bei den Alttieren.
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Die
Ernährung der Kreuzotter ist sehr mannigfaltig und schließt
Wühlmäuse und andere kleine Nagetiere, Eidechsen, Vogeleier,
Insekten und Schnecken mit ein. Dabei kommt sie mit sehr wenig Nahrung
aus. Ihr genügen als äußerstes Minimum im Jahr 12 Mäuse.
Bei warmen Außentemperaturen dauert es drei bis sechs Tage, bis sie
eine Beute normaler Größe verdaut hat. Anders dagegen bei Temperaturen
unter 15 Grad. Hier würde die Beute Tage- und Wochenlang im Magen
unverdaut liegen bleiben, was wahrscheinlich zu ihrem Tode führen
würde. Sie fängt deshalb schon einige Tage vor einem Wetterumschwung
- wenn wir Mensch mit unseren hochtechnisierten Wetterprognosen noch gar
nichts davon ahnen - keine Beute mehr.
 Als
tagaktive (bei heißem Wetter jedoch eher dämmerungs- bzw. nachtaktiv)
Schlange jagt sie gewöhnlicherweise lauernd, als „Ansitzjägerin“.
Während sie regungslos verweilt, gibt sie sich mit den Beutetieren
zufrieden, welche zu dicht in ihre Reichweite kommen. Bisweilen erforscht
sie aber auch aktiv das Innere von Nagetierhöhlen aus. Sobald ein
Beutetier nahe genug heran gekommen ist, richtet sie das vordere Drittel
ihres Vorderkörper S-förmig nach vorn aus, verfolgt ihre Beute
mit den Augen und schlägt schließlich blitzartig zu. Das von
den aufklappbaren Giftzähnen getroffene Beutetier vermag zumeist noch
ein kurzes Stück zu flüchten, bevor es aufgrund der Wirkung des
eingespritzten Gifts den Herztod erleidet und zusammen bricht. Eine oder
zwei Minuten lang wartet die Kreuzotter ab, denn ihr Gift (enthält
hämorraghische (=zellauflösende) Faktoren) gehört zu den
Toxalbuminen. Diese bewirken nicht nur den Tod, sondern auch eine Vorverdauung
der Beute.
Dann
folgt sie langsam und häufig züngelnd der Spur des gebissenen
Opfers. Hier helfen ihr die im Unterkiefer befindlichen Sinneszellen, mit
denen sie Vibrationen hervorragend wahrnehmen kann und so die Schritte
ihrer Beutetiere erkennt. Aus diesem Grunde wird es der Kreuzotter ermöglicht,
in den heißen Sommermonaten ihre Beute nachts durch langsames Umherschleichen
zu fangen.
Ihre
Augen, deren Pupillen mit einem senkrechten Schlitz (typisches Merkmal
von Vipern) ausgerüstet sind, eignen sich für ein gutes Nachtsichtvermögen
ebenso gut wie für die Wahrnehmung horizontaler Bewegungen. Gerüche
nimmt die Kreuzotter mit der zweizipfeligen Zungenspitze und einem hochempfindlichen
Geruchsorgan (Jakobsonsches Organ) auf. Mit dessen Hilfe folgt sie der
oft meterlangen Spur einer Beute. Hat sie es eingeholt, so umgreift sie
es mit ihren Kiefern und beginnt es mit dem Kopf voran zu verschlingen.
Wer
schon einmal das Zischen einer Kreuzotter gehört hat, wird sich fragen,
wie dieses wohl zustande kommt! Die Schlange (nicht alle Arten) stößt
dabei plötzlich Luft aus Lunge und Luftsack oder sie saugt sie ein.
Bei diesem Vorgang wird die Luft mit geschlossenem Maul durch die Öffnung
zwischen Schnauzenschild und Kinnschild gepresst. Durch Veränderung
der Öffnungsweite in ihrer Stimmritze lässt sich die Tonhöhe
des Zischens sogar variieren. Sie selbst kann aber ihr Zischen nicht hören,
da sie völlig taub ist.
In
Felsspalten, Nagerhöhlen oder unter hohlen Baumstümpfen findet
die Kreuzotter in einer Tiefe von etwa 20-50 cm Tiefe genug Feuchtigkeit,
um dort zusammen mit anderen Tieren ihrer Art von Oktober bis März
ihre Winterruhe zu halten. Es soll sogar schon eine Gruppe von etwa 800
Tieren entdeckt worden sein.
Mit
den ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings erscheinen die Männchen
als erste und nach spätestens drei Wochen finden sich auch die Weibchen
ein. Jetzt beginnt für alle eine Aufwärmphase, in der sich die
Schlangen ohne Nahrung aufzunehmen intensiv der Sonneneinstrahlung aussetzen.
Nach der ersten Häutung der Männchen folgt die einen Monat dauernde
Paarungszeit der Kreuzottern.
In
Mitteleuropa gewöhnlich im August oder September, im hohen Norden
hingegen oft erst im folgenden Frühling, bringt das Weibchen drei
bis zwanzig Junge zur Welt. Der Name Viper stammt von vivipera (lat.) =
lebendgebärtend ab. Vipern sind aber eher ovovipera = eierlebendgebärend.
Das heißt, die Jungtiere schlüpfen während oder unmittelbar
nach der Geburt aus den dünnhäutigen Eiern. Sie sind bei der
Geburt ungefähr siebzehn Zentimeter lang, im Vollbesitz des Giftes
und machen sich sogleich selbständig. Wie die meisten Reptilien sind
die Kreuzottern ziemlich langlebig und können über fünfundzwanzig
Jahre alt werden.
Von
der Kreuzotter gibt es drei Unterarten
1.
die Eurasische Kreuzotter, die hier beschriebene Nomial-(=namensgebende)
Form
2.
die Balkanotter, die vom südwestlichen Bulgarien bis zum südlichen
Slowenien und dort in einer Höhe bis auf 2.000 Meter vorkommt.
Ihr
Kopf ist wuchtiger und von dem Zickzackband sind nur noch Querstreifen
übrig. Bei der im Hochland vorkommenden Form ist das Männchen
grau, bei der Tieflandform sind Männchen und Weibchen graubräunlich,
wobei hier auch die weibliche Kupferotter und die männliche Höllenotter
vorkommt.
3.
die Sachalin-Kreuzotter, die von Südsibirien über die Mongolei
und Mittelasien bis Sachalin vorkommt.
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