Ziegen und Pferde als Weidegefährten

Ziegen als Stall- und Weidekumpel sind bei Pferdehaltern sehr beliebt. Zum einen weil diese Tiere aufgrund ihrer Größe keinen weiteren Raum im Stall benötigen, zum andern weil sie kostengünstiger als ein Beistellpferd zu halten sind.
Wer sich jedoch für eine Ziege entscheidet sollte sich im klaren sein, hier auf die speziellen Bedürfnisse einer weiteren Tierart, neben seinem Pferd, eingehen zu müssen.



Gerade kleine Zieglein haben ihren besonderen Scharm und erweichen jedes Herz.

Eine Geschlechtertrennung ist rechtzeitig nötig, denn Ziegen sind mit etwa sieben Monaten geschlechtsreif. Die besonders im Herbst ausgeprägte Brunst dauert 1 1/2 bis 3 Tage. Bei einer Trächtigkeit von etwa 22 Wochen beginnen "Erstgebärende" bereits nach dem 3.Trächtigkeitsmonat aufzueutern. Mehrlingsgeburten sind nicht selten.


Da Ziegen sehr intelligent sind, lernen sie schnell – auch wenn es um die Durchsetzung ihrer Bedürfnisse geht. Wenn auf der Weide nebenan oder gegenüber der Straße für sie etwas Besseres (z.B. Sträucher mit leckerem Laub) lockt, so sind sie mit normalen Pferdezäunen nicht mehr zu halten. Mit Sicherheit finden sie eine Schwachstelle im Zaun um drunter her zu krauchen oder einfach wegen ihrer Größe drüber zu hüpfen.

Ein Ausbrechen aus der Weide kann nur mit Hilfe von so genannten Schafzäunen verhindert werden, welche eine zusätzliche Einzäunung nötig macht. Dem Drang zum Ausbrechen kann man entgegenwirken in dem man dem Laubfresser Ziege immer genügend Laub von Bäumen und Büschen zur Verfügung stellt. Da sie gleichzeitig aber eher Futterselektierer sind, also sich ihr Futter mal da und mal dort suchen, wird ein Busch an einer einzigen Stelle hier kaum Abhilfe bieten . Sie wird weiterhin an anderen Stellen suchen auch wenn am Busch noch genügend übrig ist.


Ziegen bestehen sehr auf die Einhaltung einer bestimmten Rangordnung innerhalb einer Herde.
Dazu gehört dann aber nicht nur das Pferd, sondern auch der Mensch. Somit kann es passieren, dass die Ziege den Menschen in seiner Rangordnung infrage stellt und ihn zum Kampf herausfordert.
Ziegen kämpfen meist, indem sie sich auf die Hinterbeine stellen und von oben herab mit den Köpfen zusammenstoßen. Nun ist konsequentes Handeln gefragt und klare Verhältnisse zu schaffen.
Nur so wird aus dem "Partner" für sein Pferd auch der geeignete Stallgefährte.



Männliche Ziegen sind charakterlich deutlich dominanter als weibliche Ziegen. Sie zeigen mehr Aggressionspotential und sind eher bereit zu einem kleinen Kämpfchen. Um das Verletzungsrisiko für Pferd und Mensch möglichst zu reduzieren, sollte unbedingt eine Ziegenart ausgewählt werden, deren Hörner deutlich nach hinten ausgerichtet ist. Darüber hinaus stinken unkastrierte Ziegenböcke „wie die Pest“.

Ziegen können sich zu wahren Klettermeistern, Dieben oder wahre Unfugstifter entwickeln. Sie lernen Türen zu öffnen, aus Fenstern zu springen oder wissen schnell wie man den Futtertrog öffnet. Eigentlich sind sie immer für eine Überraschung gut. In manchen Fällen kann sich der Schweif des Pferdes verkürzen, denn es gibt Ziegen die mit Vorliebe daran „rummümmeln“. Hier hilft manchmal die vermehrte Gabe von Salzlecksteinen.

Ziegen haben im Gegensatz von Pferden Klauen die sich im Stroh oder auf der normalen Weide nicht von alleine abnutzen. Hier ist in regelmäßigen Abständen Klauen pflege angesagt.

Typische Erkrankungen der Ziegen als kleine Wiederkäuer sind Breiniere und Clostidien welche jedoch nicht auf Pferde übertragbar sind.
Leider besteht hier eher umgekehrt der Fall, denn wenn Pferde Würmer haben übertragen sich diese ohne Probleme auf Ziegen.

Andere, jedoch seltene Infektionskrankheiten wie z.B. Salmonellosen oder Leptospirosen können sowohl in die eine, als auch andere Richtung übertragen werden.