Pferdefütterung
Das Verdauungssystem beim Pferd (2.Seite)

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Nach dem Abschlucken gelangt der Futterbrei durch die Speiseröhre, einem mit Schleimhaut ausgekleideten Muskelschlauch. Futtermittel, die leicht aufquellen (z.B. Rübenschnitzel), können sich durch die dortige Feuchtigkeit voll saugen und zur bekannten Schlundverstopfung führen. Dieses Risiko besteht auch bei zu schnell gefressenem anderen Futter oder unzureichend zerkleinertem Obst. Durchläuft die aufgenommene Nahrung die Speiseröhre, so endet sie in einem drüsenlosen Magenabschnitt.


An der Einmündung der Speiseröhre (A) in den Magen befindet sich ein starker Schließmuskel. Dieser spannt sich bei gefülltem Magen so stark an, dass ein Rücklauf der Nahrung unmöglich ist – dies ist der Grund, warum Pferde sich nicht übergeben können! Der Magen kann sich so nur noch durch die Verdauung entleeren und bis es so weit ist, kann eine Magenüberladung oder Fehlgärung bei Pferden immer zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung führen. Dieses erklärt auch eine allgemeine Empfehlung von Futterexperten, dem Pferd häufiger kleine Portionen anzubieten.


Der Pferdemagen befindet sich vorne im durch die Rippen geschützten Teil der Bauchhöhle und besitzt eine bohnenförmige Gestalt. Im Vergleich zur Gesamtgröße eines Pferdes ist er relativ klein – er fasst nur etwa 15 – 20 Liter. Bei richtiger Fütterung sollte das aber kein Problem darstellen – denn bei häufigen kleinen Futterportionen wird dieses Volumen vollkommen ausreichen.


Der Pferdemagen lässt sich in einen vorderen drüsenlosen und einen hinteren drüsenhaltigen Bereich einteilen. Diese Erklärung ist einleuchtend, weil der erste Bereich des Magens mit einer drüsenlosen Schleimhaut ausgekleidet ist. Hier werden dem Futterbrei also noch keine Verdauungssekrete zugesetzt – sondern erfüllen noch immer nur eine weitere Vorstufe für eine pferdegerechte Verdauung. Mit Hilfe von Mikroorganismen, die sich in diesem Bereich bedingt vermehren, werden hier leichtverdauliche Kohlenhydrate (Zucker, Stärke) umgesetzt. Bei diesem mikrobiellen Verdauen entstehen als Nebenprodukte jedoch eine nicht geringe Menge an Gasen (vorwiegend Kohlendioxid, aber auch Wasserstoff). Würde dieser Abbauprozess mit der Vermehrung der Keime ohne Einwirkung der Verdauungssysteme weiterlaufen, so wären Koliken (Fehlgärungen) nicht ausgeschlossen.

Im zweiten Magenabschnitt liegen in den Schleimhäuten Zellen, welche die Verdauungssekrete in den Magen abgeben. Es wird Magensaft produziert, der Salzsäure und ein eiweißverdauendes Enzym enthält. Als Folge daraus entsteht ein stark säurehaltiges Milieu, wobei der ph-Wert im Futterbrei gesenkt wird. Der im letzten Abschnitt beschriebene mikrobielle Abbauprozess wird gestoppt, da die Keime abgetötet werden. Dieses geschieht aber wiederum nur, wenn eine gute Durchmischung von Futterbrei und Verdauungssekret erfolgt, da ansonsten nur der ph-Wert der Magenwände erfolgen kann. Der weitere Verlauf in diesem Fall könnte für das Pferd sehr schmerzhaft werden – denn es würde weiterhin eine mikrobielle Zersetzung im folgenden Dünndarm (Kolikgefahr) bestehen. Geschehen kann so etwas alleine schon durch starke Belastung (Stress, schwere Arbeit) des Pferdes, da sich die Magensaftmenge hier verringert. Außerdem kann der Magen zu große Futtermengen nicht ordentlich durchmischen, das selbe gilt für zu hastig aufgenommenes Futter. Aus diesen Gründen sei noch einmal gesagt, lieber öfter kleinere Mengen füttern – als eine oder zwei große Rationen. Selbstverständlich sollte jedem Pferd die Gelegenheit gegeben werden, in Ruhe und ohne Stress sein Futter aufzunehmen.

Aus dem Magen gelangt der Futterbrei durch den Magenausgang (B) in den Dünndarm, wo die bisher gelösten Inhaltsstoffe aufgenommen werden.



Der Dünndarm eines Pferdes wird in drei Abschnitte aufgeteilt. Der erste, unmittelbar an den Magenausgang anschließende Teil ist der Zwölffingerdarm, es folgt der Leerdarm und zum Schluss der Hüftdarm. Der Dünndarm übernimmt die weitere Verdauung leichtverdaulicher Nährstoffe sowie die Aufnahme der dort entstandenen Grundbausteine. Sie gelangen durch die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf. Der gesamte Dünndarm erreicht beim Pferd eine Länge von bis zu 24 Metern.


Die im Magen bereits aufgeschlossenen Kohlenhydrate gelangen zusammen mit dem Futterbrei in den Zwölffingerdarm. Bei den Hydraten handelt es sich vor allem um Glukose und Fructose (das bekannte Fruchtzucker). Rohrzucker kann erst ab dem 7. Lebensmonat verdaut werden, während Milchzucker (Laktose) nur von Fohlen verwertet werden kann. Stärke wird im Dünndarm von Enzymen in Glukose gespalten und absorbiert.

Dem Zwölffingerdarm werden die beiden großen Bauchdrüsen, Leber und Bauchspeicheldrüse zugerechnet. Speziell die Bauchspeicheldrüse ist sehr wichtig, denn sie gibt ein Sekret ab, um die sauren Magensäfte zu neutralisieren. Aber dies ist nicht alles, denn auch weitere Enzyme zur Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißverdauung werden in den Darm abgegeben. Die in der Leber entstandene Gallenflüssigkeit hat die Aufgabe, die verwässerten Fette des Darminhaltes gleichmäßig zu verteilen. Eine Besonderheit beim Pferd ist, dass es keine Gallenblase besitzt, in der der Gallensaft eingedickt werden könnte.

Der Dünndarm ist in ständiger Bewegung. Zum einen dient dieses einer guten Durchmischung sowie für den Weitertransport des Darminhaltes. Die durchschnittliche Passierdauer des Dünndarminhaltes beträgt 90 Minuten. Das entspricht einer Beförderungsgeschwindigkeit des Darminhalts durch den Dünndarm von 20 cm pro Minute.

Am letzten Stück des Dünndarms findet man den Hüftdarm, der sich durch besonders starke und muskulöse Darmwände auszeichnet. Nur diese Muskelkraft erlaubt es ihm, den Nahrungsbrei portionsweise (200-1500 ml) etwa alle 10 bis 20 Minuten in den Blinddarm zu drücken. Ein zu großer Teil an schwerverdaulichen Rohfasern, wie altes Heu oder Stroh, kann auch an dieser Stelle leicht zu Verstopfungen führen.



Beim Erreichen des Blinddarms sind wir auch schon beim Dickdarm angekommen. Dieser lässt sich in vier Abschnitte unterteilen: Blinddarm, großer Grimmdarm, kleiner Grimmdarm und Mastdarm.

Der Blinddarm zieht sich von der rechten Pferdeflanke bis hin zum Brustbein und ist beim Pferd eine große, sackartige Gärkammer. In ihm werden Nahrungsbestandteile, die bisher nicht verdaut wurden, mit Hilfe von Mikroorganismen zerlegt und anschließend vom Körper aufgenommen. Zu diesen bisher nicht verdauten Bestandteilen gehören grobe Stärkekörner (außer Haferstärke, die fast vollständig verdaut wird!) oder etwa Mais oder Kartoffeln.

Einen ähnlichen Vorgang der Zerlegung kennen wir von den Wiederkäuern (z.B. Rinder), wo dies in den Vormägen stattfindet. So ganz vergleichbar ist es aus dem Grunde nicht, da der Gärprozess bei Wiederkäuern vor der Magen- und Dünndarmpassage geschieht, die bereits aufgeschlossenen Nährstoffe also bereits an dieser Stelle im Dünndarm aufgenommen werden können. Bei unseren Pferden findet diese Freisetzung von Futterinhaltsstoffen erst „nach“ diesem Durchlaufen der Dünndarmpassage statt und die Nährstoffe werden erst im Blind- und Dickdarm aufgenommen.



Der große Grimmdarm ist wie der Blinddarm eine weitere Gärkammer und schließt gleich an den Blinddarm an. Auch hier werden Futterbestandteile unter mikrobieller Hilfe aufgeschlossen und absorbiert. Im kleinen Grimmdarm wird dem Darminhalt Wasser entzogen. Somit werden auch die mit den Verdauungssekreten abgegebenen Mineralstoffe zum größten Teil zurück gewonnen. In Folge daraus wird der Darminhalt eingedickt – die Kotformung findet statt. Dieser Prozess setzt sich bis in den Mastdarm fort, der den „Pferdeäpfeln“ seine typische Form verleiht.

Am Aussehen des Pferdekotes können gute Rückschlüsse über die Futterverwertung, Zahnkrankheiten (ganze Haferkörner!) oder den Parasitenbefall im Pferdedarm gezogen werden.