Gründe warum eine Zuchtstute nicht tragend wird

Wer sich mit dem Gedanken trägt, seine Stute für die Pferdezucht einzusetzen, sollte sich früher oder später auch über das nicht trächtig werden der Zuchtstute bzw. das Resorptionsrisiko in den frühen Trächtigkeitsmonaten Gedanken machen.

Von einer Resorption spricht man, wenn ein in der Gebärmutter abgestorbener Embryo aufgelöst und über die Blutbahn abtransportiert wird. Eine Resorption ist äußerlich nicht erkennbar und kann nur in den ersten Trächtigkeitsmonaten stattfinden. Ab dem dritten Monat kann ein Embryo nicht mehr spurlos abgehen.

Welche Grundvoraussetzungen sollte eine Zuchtstute besitzen?

  • sie sollte so gut wie ausgewachsen sein

  • sie sollte ihre Geschlechtsreife erreicht haben

  • sie sollte keine Erbkrankheiten haben

  • Scheide und sonstige Genitalien sollten gesund und Gebärmutter nicht durch Bakterien belastet sein

  • ihr Geschlechtsverhalten (als Stute) sollte normal sein

Nur unter diesen Gesichtspunkten kann man überhaupt erwarten, mit seiner Stute ein gesundes Fohlen zu züchten.

Für die meisten steht „Rosse“ immer für eine sofortige Besamung durch den geeigneten Hengst. Was aber die Wenigsten wissen, ist das es Stuten gibt die rossen, ohne jedoch Follikel gebildet zu haben, sowie es auch Follikelbildung gibt, ohne auch nur ein Anzeichen einer Rosse! Kompliziert? Nicht wenn man die gynäkologischen Abläufe in der Stute betrachtet!

Gynäkologie der Zuchtstute

Die Fortpflanzungsorgane einer Stute bestehen aus zwei Eierstöcken, der Gebärmutter und der Scheide. In Blasen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, entwickeln sich in den Eierstöcken befruchtungsfähige Eier (Follikel). Erst wenn diese Blase ein Volumen von etwa 4 bis 5 cm erreicht hat, platzt sie, was man als Follikelsprung oder Eisprung bezeichnet. Dieser Vorgang des Follikelsprungs erfolgt in der Regel am Ende der Rosseperiode.

A » After
B » Schamlippen
C » Scheide
D » Endarm
F » Harnblase
H » Harnleiter
L » Gebärmutter
M » Eierstock
N » linke Niere

Das nun freigelegte Ei gelangt in den Eileiter, wo es auf seine Befruchtung wartet. Geschieht dieses nicht innerhalb von 24 Stunden – stirbt das Ei ab. Dort wo sich jetzt nur noch die geplatzte Blase befindet, bildet sich ein Blutgerinnsel. Dieses wächst ein und aus ihm entstehen neue spezialisierte Zellen – der so genannte „Gelbkörper“ entsteht. Der Gelbkörper produziert ein Hormon, welches der Gebärmutter Informationen darüber gibt, das sie sich für die Aufnahme eines befruchteten Eies bereithalten soll. Hat der Gelbkörper seine Aufgabe erfüllt, bildet er sich nach 2-3 Wochen wieder zurück.

Fand ein Deckakt durch einen Hengst oder eine Besamung zum richtigen Zeitpunkt statt, so ist die Chance groß, dass die sandkorngroße Eizelle durch eine Samenzelle befruchtet worden ist. In diesem Fall setzt sich die Eizelle zur weiteren Entwicklung in die Gebärmutterwand ein. Nun setzt die Entwicklung zum Fohlen ein, was bereits am 20. Tag nach der Befruchtung zu einem Embryo herangewachsen sein wird.

Stuten funktionieren irgendwie alle „anders“

Nach diesem kurzen Einblick in die Tiermedizin glaubt man, jede Stute würde gleich funktionieren.
Leider stimmt das nicht – denn jede Stute funktioniert irgendwie „anders“.

Gerade an den unterschiedlichen Zyklustypen der Rosse, wird dieses schön deutlich:

  • Stuten mit nur einem Rossezyklus pro Jahr – sehr schwer zu besamen weil dieser Zeitpunkt sich auch außerhalb der Decksaison befinden kann!
  • Stuten mit vielen Zyklen – welche in der Winterzeit zur Ruhe kommen – eigenen sich am besten zur Zuchtstute weil der Besamungszeitpunkt berechenbar ist!
  • Stuten mit ständigem, nicht pausierendem Rossezyklus – hier liegen oftmals Probleme in Form von Bakterien oder Entzündungen vor, welche rechtzeitig vor der Decksaison abgeklärt werden sollten!

Als Richtschnur kann gelten, dass Stuten einen periodisch wiederkehrenden Zyklus zwischen 20 – 23 Tagen haben, wobei die Rosse im Schnitt zwischen 4 bis 7 Tagen dauert. Die erste größere Zyklusfolge findet im Februar bis Mai – die zweite im Spätsommer statt. Je später es ins Jahr geht, desto kürzer aber auch stärker wird die Rosse.

Die Rosse einer Stute ist oftmals durch das „Blinken“ oder auch „Blitzen“ (sieht aus wie das Wasser lassen einer Stute) der Scheide erkennbar. Bei einer so genannten stillen Rosse, gibt nur der Einsatz eines Probierhengstes (oder Wallach) genauen Aufschluss.

In machen Fällen aber, kann auch ein beobachten der Zuchstuten auf der Weide hier Aufschluß geben. Im Foto links versucht einer der Wallache eine Stute zu besteigen, dieses könnte bereits ein Indiz für eine nicht trächtige Stute sein.

Nicht selten werden Stuten besamt, die keine Rosseanzeichen vorweisen – einen Natursprung (welcher seltener durchgeführt wird) ließen sie sich sicher nicht gefallen. Nicht alleine das Risiko, dass hier die „überlistete“ Stute nicht tragend wird, trägt der Stutenbesitzer, sondern auch das Risiko einer möglichen Entzündung durch das Einbringen von Samen und Verdünner in eine nicht rossige Gebärmutter.
Zusätzlich reagieren manche Stuten auf den Verdünner mit Allergien – was noch ein Grund ist, nicht zu oft (und somit unnötig) zu besamen.

Neben den oben angeführten Rossezyklen gibt es immer wieder Geschichten über Zuchtstuten, die nur alle zwei Jahre einen Rossezyklus haben , wenn sie dazwischen ein Fohlen säugen. Sie stecken ihre ganze Kraft in die Aufzucht ihrer Fohlen, so dass sie eine Rosseperiode dazwischen aussetzen, um erst im übernächsten Jahr erneut ein prächtiges Fohlen zu bekommen. Da zumeist die Fohlen über eine überaus gute Qualität verfügen, ist diese Besonderheit dieser außergewöhnlichen Stuten für den Stutenhalter finanziell trotzdem tragbar.

Ohne gesunde Gebärmutter läuft nichts!

Die häufigsten Ursachen für eine güste Stute (Bezeichnung wenn Stute nicht tragend wird) liegen an einer entzündeten Gebärmutter (Metritis) sowie an einer akuten oder chronischen Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis). Denn nur wenn die Umgebung gesund ist, kann sich hier eine befruchtete Eizelle einnisten und zu einem gesunden Fohlen weiterentwickeln. Manchmal lassen sich solche Entzündungen bereits äußerlich an einer Stute feststellen, nämlich dann, wenn sich eitriger Ausfluss zeigt – hier stimmt was nicht! Nun kann nur eine Tupferprobe Aufschluss über den Grad und die Art der verursachenden Erreger geben. Die Aussagekraft der von einem Tierarzt entnommenen Tupferprobe ist am größten, wenn sie während der Rosse entnommenen wird.

Allgemein bekannt sind hier die kleine und die große Tupferprobe. Bei der kleinen nimmt der Tierarzt einen Abstrich aus dem Geschlechtstrakt (Scheide) der Stute. Meist reicht diese aus, doch bei begründeten Verdacht oder wiederholter Unfruchtbarkeit wird hier eine Gebärmutterbiopsie vorgenommen. Dazu entnimmt der Tierarzt ein kleines Stück Schleimhaut aus dem Inneren der Gebärmutter – was allgemein als große Tupferprobe bezeichnet wird.
Mögliche Erreger können gefunden werden mit unterschiedlichen Folgen:

  • Pyogen-Streptokokken: Die Infektion mit diesen Bakterien verhindert das Einnisten des Embryos in der Gebärmutterschleimhaut.
  • Chlamydia psittaci: Der Erreger der Chlamydiose ist bei Papageien in vielen verschiedenen Varianten bekannt und unter anderem auch auf Pferde übertragbar. Die Infektion mit diesen führt zum Abbruch der Trächtigkeit der Stute.
  • Taylorella equigenitalis: Diese Bakterien verursachen bei der Stute eine hochinfektiöse Gebärmutterentzündung (kontagiöse equine Metritis). Das Fohlen kann bei der Geburt infiziert werden.

Es hat sich gezeigt, dass es sinnvoll sein kann, Zuchtstuten in Fruchtbarkeitsklassen einzuteilen:

Gruppe I
Stuten die bereits einmal ein Fohlen hatten und Stuten, die noch nicht bedeckt worden sind (Maidenstuten), aber auch Stuten ohne bakteriologischen Zweifel
(Fruchtbarkeitsaussicht liegt hier bei 70-100%)

Gruppe II
Stuten ohne bakteriologische oder organische Zweifel – die jedoch ein Jahr nicht tragend geworden sind
(Fruchtbarkeitsaussicht liegt hier bei 50-70%)

Gruppe III
Stuten ohne bakteriologische oder organische Zweifel – die mehr als ein Jahr nicht tragend geworden sind und nach Krankheitsbildern der Gruppe IV als geheilt gelten
(Fruchtbarkeitsaussicht liegt hier bei 25-50%)

Gruppe IV
Stuten die bakteriologische oder organische Zweifel aufweisen (Fruchtbarkeitsaussicht liegt hier bei 0-25%)

Natürlich können diese gezeigten Klassifizierungen nur Anhaltspunkte liefern – sie geben keine 100% Sicherheit, ob eine Stute nun wirklich ein Fohlen bekommt oder ob eine andere Stute wirklich zuchtuntauglich ist.
Es hilft jedoch oft im Voraus bei der Entscheidung, ob man das Projekt „Zucht“ mit seiner Stute beginnen möchte, denn im Vordergrund steht nicht das Fohlen, sondern die möglichen Kosten für den Stutenbesitzer.

Es können nämlich noch viele weitere Faktoren maßgeblich für das ausbleiben eines Fohlens sein, die einem Züchter Probleme bereiten können.

Weitere Fruchtbarkeitsstörungen und gynäkologische Erkrankungen

Eine davon können neben Problemen mit der Gebärmutter, auch hormonelle Fehlsteuerungen der Stute sein.
Hierzu gehört das Fehlen jeglichen sexuellen Zyklusfunktionen.
Zeigt eine Stute äußerlich keinerlei Anzeichen einer Rosse, so kann es sich, wie bereits zuvor beschrieben wurde, um eine „stille“ Rosse handeln. Leider gibt es hier aber auch hormonelle Probleme die ein Rossen der Stute verhindern. In diesen Fällen kann es sich um Probleme mit dem Gelbkörper handeln, was als Azyklie bezeichnet wird. Dabei gibt der Gelbkörper fälschlicherweise Informationen darüber ab, dass die Gebärmutter sich auf eine befruchtete Eizelle einstellen soll. Die Rosse wird somit unterdrückt. Abhilfe kann hier der Tierarzt durch die Verabreichung eines Medikamentes erreichen – man spricht hier von einer Rosseeinleitung.

Ebenfalls zu den häufigen Störfaktoren zählt der Verschluss der Genitalien der Zuchtstute durch Schädigungen anderer Organe. Der Weg des Samen bis zu seinem Bestimmungsort durchläuft mehrere Stationen: die Schamlippen, den Hymenalring in der Mitte der Scheide und zum Schluss den Muttermund. Ist einer dieser drei Durchgänge geschlossen, so sinkt die Möglichkeit einer Fruchtbarkeit der Stute sehr.

Schädigungen können unter anderem entstehen durch einen Dammriß, Muttermundverletzungen oder Kloakenbildungen. Meistens hilft hier jedoch ein einfacher medizinischer Eingriff, der oft sogar im Stall durchgeführt werden kann.

Da es eine Vielzahl von weiteren Störungen und Erkrankungen gibt, ich jedoch nicht auf jede einzelne eingehen kann, hier nur eine Aufzählung weiterer Störungen:

  • Zysten an der Gebärmutter
  • Seleenmangel
  • Schilddrüsen Fehlfunktionen
  • Parasiten
  • Influenza/Husten
  • Equine Virusarteritis
  • mangelnde Entwicklung der Eierstöcke (z.B. bei jungen Stuten )

Sollte eine Zuchtstute nach der ersten Bedeckung/Besamung nicht tragend werden, gilt es auch andere Gründe zu überprüfen, denn nicht immer liegt es an der Stute:

  • Hatte der Hengst besamt und gibt es Infos über seine Samenqualität?
  • Wie ist die Samenqualität des Hengstes (Fortbewegung, Dichte)?
  • Richtiger Zeitpunkt der Besamung? (6-8 Std. nach dem Follikelsprung – max. 48 Std. danach)
Optimale Rahmenbedingungen für eine Trächtigkeit der Stute

Manchmal sind es aber auch nur ganz einfache Gründe, die eine Stute davon abhalten, entweder rossig zu werden oder die sie dazu bringen, ihre Frucht sofort wieder abzustoßen. Aus diesem Grunde sollten die Rahmenbedingungen für die Stute schon stimmen, damit auch alles bestens ist.

Die günstigste Jahreszeit für eine optimale Bedeckung/Besamung ist im April oder Mai. Witterungs- oder hohe Temperaturschwankungen können sich negativ auf die Rosse auswirken – diese könnte sich entweder verzögern oder gänzlich ausbleiben.

Die Fütterung der Zuchtstute ist ein eigenes Thema, das sicherlich ebenso komplex ist wie die Frage, warum eine Stute nicht tragend wird. Leider ist auch dieses ein sehr umfangreiches Thema was den Rahmen dieses Artikel sprengen würde, es sei deshalb nur kurz gesagt, es soll eine bedarfsgerechte Fütterung erfolgen.

Die Zyklusförderung kann durch Licht angeregt werden. Meine Empfehlung: so bald es das Wetter zulässt – viel raus mit der Stute. Sollte dieses nicht möglich sein, bitte für einen guten Lichteinfall durch das Stallfenster sorgen.

Wenn die Natur ruft, hält sich auch eine Stute nicht zurück. Zur Stimulierung der Rosse kann man der Stute auch mal einen kurzen Kontakt mit dem Hengst gönnen (Abprobieren). Falls kein Hengst zur Verfügung steht, tut es auch ein Wallach, der sich sehr hengstig verhält und Interesse an der Stute zeigt.

Durch dieses Abprobieren kann der Stutenbesitzer Rückschlüsse auf Rossezyklus und/oder Rosseverhalten seiner Stute ziehen.
Allgemein sagt man Stuten eine gewisse Zickigkeit nach – ebenso stressanfällig sind sie auch, wenn man ihnen zu viel abverlangt. Daher sollten Zuchtstuten nach Möglichkeit nicht den Stall wechseln oder unnötig durch die Gegend gefahren werden.
Geritten werden können Zuchtstuten weiterhin ohne Probleme – solange es zwischen ihnen und dem Reiter harmonisch zugeht.

Wie ein sechser im Lotto....

So sagte mir eine Freundin als ich ihr erzählte, ich wolle über das nicht trächtig werden einer Stute schreiben.
Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber im gewissen Maße hat sie Recht, denn wenn es so einfach wäre, gäbe es diesen Artikel nicht – oder er wäre kürzer.
Das Thema füllt Bücher, entflammt jedes Jahr aufs Neue, wenn die Zuchtsaison beginnt, und doch kommt es immer wieder vor, das eine Stute im nächsten Jahr nicht den ersehnten Nachwuchs bringt.
Auch ich kenne kein Wundermittel – auch kann ich nicht alle möglichen Gründe die dazu führen, hier erklären und hoffe doch, einige Anhaltspunkte auf der Suche nach möglichen Ursachen habe liefern zu können.

PS: Ich habe es nach vielen Jahren noch einmal gewagt und ein Fohlen aus meiner Stute gezogen und bin glücklich das es meinen Calvano gibt.