Konik - (Equus ferus caballus)

Die Koniks sind die direkten Nachfahren des Tarpans.

Der Tarpan (Waldtarpan) ist eine Unterart des Przewalski-Pferdes und lebte in den großen Waldgebieten Osteuropas, während das Przewalski-Pferd (Steppentarpan) das offene Land als Lebensraum bevorzugte. Die dritte Unterart des Tarpans sind die Gebirgstarpane, deren heutige Nachfahren die Huzulen sind.

Kurz vor der Ausrottung wurden im Jahre 1780 die letzten wild lebenden Tarpane eingefangen und in einem Wildpark in Südpolen in der Gegend von Bilgoraj angesiedelt, als Privatbesitz des polnischen Grafen Zamojski.

Ursprung der Konik

In Polen wurden alle wildlebenden Pferde unter einem Stockmaß von 140 cm „Konijk“ genannt, übersetzt „Pferdchen“. Die im Wildpark lebenden Pferdchen bekamen dann den Ortsnamen hinzu und wurden Bilgoray Konijk genannt. Leider mußte im Jahre 1806 in einem sehr harten Winter dieser Wildpark aufgrund wirtschaftlicher Not geschlossen werden.

Die letzten reinen Tarpane wurden an polnische Bauern als Arbeitspferde verschenkt und das war das endgültige Aus der Tierart Tarpan. Die Bauern kreuzten die Tarpane mit ihren eigenen Arbeitspferden, die allerdings auch sehr robuste, bodenständige Landpferde (auch mit eingekreuzten Tarpanen) waren, so daß der Konik seine Ähnlichkeit zum Tarpan nie ganz verlor.

Eine Reinzucht der Koniks wurde erst seit 1915 wieder angestrebt und die offizielle Rassebezeichnung lautet seitdem „Polski Konik“.

Verschiedene Staatsgestüte bemühten sich um die Neuzucht der Koniks und 1936 startete Prof. Tadeus Vetulani ein Zuchtexperiment, dessen Ziel die Rückzüchtung zum Tarpan sein sollte.

Es wurde dabei auf das typische, wildpferdähnliche Aussehen geachtet: Stehmähne, Aalstrich, Zebrastreifen an den Beinen. Und natürlich auf eine Besonderheit der Koniks, die diese heute nur noch mit den Yakuten-Ponys teilen: Die Aufhellung des Fells im Winter als optimale Tarnung bei Schnee. Im zweiten Weltkrieg wurde das Zuchtexperiment jedoch wieder zerschlagen. Mit einigen wenigen übriggebliebenen Tieren wurde nach dem Krieg erneut ein Reservat in Popielno gegründet, in dem heute wieder ca. 40 Koniks leben. Auch in 8 Staatsgestüten und bei einigen privaten Züchtern wird die Konikzucht noch weiter betrieben.

Koniks werden seit ca. 40 Jahren zur Blutauffrischung bei den Dülmener Wildpferden eingesetzt. Auch bei den Trakehnern wurde der Konik mit eingekreuzt, nämlich durch die Schweiken, die eine Untergruppe der Koniks darstellen. Diese Verwandtschaft zeigt sich manchmal noch bei Trakehnerfohlen, bei denen Zebrastreifen an den Beinen auftreten.

Weiterführende Informationen im Buch über das polnische Konik

Lebensweise des Konik

Konik leben mit ihren anderen Artgenossen in Herdenverbänden, welche von einem Leithengst angeführt wird. Seine Aufgabe ist es, Stuten und Fohlen vor allen Feinden zu verteidigen – aber auch seine Gene zu vererben. Daher kann es vorkommen, das die ansonsten friedlich zusammen lebenden Tiere sich erbitterte Kämpfe liefern können, wenn es um die eine rossige Stute geht. Der Leithengst muss seine Vorrangstellung immer wieder gegenüber jüngeren Hengsten beweisen, nur so ist ihm das Decken aller empfangsbereiten Stuten möglich. Selten kommt es dabei jedoch zu schlimmeren Verletzungen.

Angeführt werden die Herden aber nicht von ihren dominanten Hengsten, sondern von einer Leitstute. Diese ist meist die Älteste und Erfahrenste in der Herde und verfügt über einen großen Erfahrungsschatz.

Sie weiß wo es die sichersten Futterplätze gibt, sie erkennt wenn die Herde eine kleine Ruhepause auf ihren Wanderungen braucht. Manchmal wird sie auch zur Streitschlichterin wenn sich Rang unterschiedliche Pferde ins Gehege kommen.

In den letzten Jahren werden die robusten Konik vermehrt zur natürlichen Erhaltung von Naturschutzgebieten eingesetzt. Konik leben in großen Herden in Oostvaardersplassen (Holland) aber auch in deutschen Naturschutzgebieten wie Geltinger Birk (Ostsee), Schmidtenhöhe (Koblenz) und Wöhrdener Loch (Speicherkoog Dithmarschen).

Heute beläuft sich der Bestand aller Koniks auf ca. 1200 - 1500 weltweit. Dies ist allerdings die Anzahl aller Pferde, die Summe der eingetragenen Zuchtkoniks ist weit geringer!

Steckbrief der Konik:

Ursprungsland:

Polen

Größe:

130 bis 140 cm

Farben und Abzeichen:

mausfalbe mit dunklem Gesicht, Mähne, Schweif. Aufhellung im Winter bei einigen wenigen Pferden. Meist Zebrastreifen an den Beinen. Hellere Abzeichen am Kopf (Stern, Flocke, Fleck über Augen) als Zeichen der Domestikation bei der Weiterzucht unerwünscht.

Mähne/Schweif:

heute nicht mehr Steh- sondern Fallmähne, üppiger Schweif

Körperbau:

Es gibt 2 Typen: die bodenständige, kräftige, alte Form und die leichtere, edlere, neuere Form (gekreuzt mit Anglo-Araber)

Hals:

kurz, sehr kräftig, mit Fettpolster unter dem Mähnenkamm (im Sommer und Herbst) als Winterreserve

Eignung und Haltung des Konik

Das Konik eignet sich als Kutsch- und Reitpferd mit ausgeprägtem Galoppier- und Springvermögen. Es ist in fast allen Bereichen des Reitsports einsetzbar, entsprechend seiner Größe, z.B. Wander-, Freizeit-, Distanz- und auch Kinderreitpferd.
Nur die englische Dressur bleibt ihm vorenthalten, da die Gänge zu wenig raumgreifend und der Hals zu kurz sind.

Bei den Koniks ist es sogar wissenschaftlich belegt, daß sie bei reiner Stallhaltung verkümmern und erkranken. Diese Pferde müssen unbedingt draußen auf der Weide und im Offenstall gehalten werden, um gesund zu bleiben.

Da Konik dem ursprünglichen Urpferd am nächsten kommen, besitzen sie wie alle Wildpferde eine weit höhere Lebenserwartung als die domestizierten Pferde. Sie können 30 Jahre und älter werden.