Tinker oder Irish Tinker

Obwohl der Irish Tinker eigentlich eine sehr alte Pferderasse ist, gib es noch keinen einheitlichen Rassenstandard, der international gültig wäre und auch die Bezeichnung "Irish Tinker" ist erst seit einigen Jahren verbreitet.

Während die irischen Züchter als Ideal ein weißes Pony mit 142 cm Stockmaß und jeweils schwarzen Abzeichen auf Brust und links und rechts der Kruppe betrachten, werden in England und Wales großflächige Scheckungen bevorzugt und in den USA alle vorkommenden Farbflecken auf einem wesentlich größeren Pferd (Shiregrösse) gezüchtet. Eigentlich kann man sagen, das es für Tinker und Irish Tinker in Deutschland keine Unterscheidung gibt, in anderen Ländern schon. Somit gibt es bis heute noch kein einheitliches Zuchtbild des Tinker/Irish Tinker woran jedoch immer wieder gearbeitet wird. Seit dem Jahr 2005 gilt wenigstens für alle bei der FN zusammenarbeitenden Zuchtverbände ein einheitlicher Rassenstandard für „Tinker“. Deutschland führt seither neben den Holländern ein Ursprungszuchtbuch für Tinker. Möchte ein Zuchtverband in einem anderen Land ebenfalls Tinker züchten, muss er sich jeweils an die Vorgaben der FN oder Holland halten.

Ursprung und Geschichte des Irish Tinker

Der Ursprung der Irish Tinker liegt - wie der Name schon sagt - hauptsächlich in Irland, aber auch in England und Wales. Der Name Tinker (= Kesselflicker) ist ein abfälliger englischer Ausdruck für das fahrende Volk und die Zigeuner und wird als Bezeichnung dieser Pferderasse eigentlich nur in Deutschland verwendet.
Die Bezeichnungen für Pferde der Rasse Irish Cob und weitere Pferde ähnlichen Typs lauten Tinker, Irish Tinker oder auch Gypsy Cob – wobei diese Pferde dann nicht als Irish Cobs anerkannt werden, denn dieses ist eine eigenständige Rasse.

Die Irish Tinker entstanden eigentlich als Zuchtausschuss bereits im Mittelalter, als die Pferdezucht nur vom Adel betrieben wurde und dort Farbpferde nicht erwünscht waren, da sie nicht standesgemäß schienen. Diese Schecken wurden dann häufig an vorbeiziehende Reisende oder Zigeuner verschenkt.

Da die Zigeuner kein Geld für den Pferdekauf, aber eine Vorliebe für alles Bunte und Auffällige hatten, waren ihnen diese Pferde nicht nur sehr willkommen, sondern auch sehr wertvoll. Die Pferde wurden gut behandelt, wenn auch sehr karg gehalten: Sie mussten sich mit dem Gras und Zweigen am Wegesrand begnügen, während sie die voll beladenen Wagen täglich ziehen mussten, oft auch gemeinsam mit Eseln. Um das Blut ihrer Tinker-Pferde etwas zu veredeln, wurden von den Zigeunern verbotenerweise nachts heimlich Deckaktionen ihrer Stuten mit den edlen Hengsten der Adligen eingefädelt. So kamen auch die Zigeuner zu besseren Pferden, die sie dann verkaufen konnten.

Im Jahre 1685 wurde von König James II von England in Appleby, im Nordwesten Englands, ein Pferdemarkt für die Zigeuner ins Leben gerufen, der seitdem alljährlich stattfand und bis in die heutige Zeit (jeweils im Juni) fortgeführt wird. Da die Zigeuner sehr gute Kenntnisse im Umgang mit den Pferden und auch meist Heilmittel gegen alle möglichen Krankheiten hatten, konnten sie aus verdorbenen oder verkümmerten Pferden oft wieder hübsche, umgängliche Wagen- oder Reitpferde hervorbringen, die sie dann gewinnbringend verkauften. Die Zigeuner nahmen alle Pferde bei sich auf, die aus verschiedenen Gründen bei den Einheimischen unerwünscht waren, dies waren hauptsächlich kranke Tiere aller Rassen und die verstoßenen Schecken, die aufgrund ihrer Farbzeichnung keine Anerkennung eines Zuchtverbandes erhielten. Es handelte sich dabei oft um edle Pferde der heimischen Rassen Dales-, Fell- und Welsh-Pony, Shire Horse, Clydesdale, aber auch Vollblüter, Araber und andere fehlfarbige Pferde.

Bis in die heutige Zeit wurde bei der Irish Tinker-Zucht hauptsächlich auf Wesen und Charakter der Pferde geachtet, es wurde Wert auf Nervenstärke und Robustheit gelegt, ein einheitliches Erscheinungsbild war nie gefragt. Die Scheckenzucht war für die Zigeuner vorteilhaft, weil die Pferde auch nachts noch gut erkennbar waren und da jedes Pferd eine andere Scheckung aufwies, konnte man seine eigenen Pferde sofort aus der Herde herausfinden, auch im Falle eines Diebstahls wieder erkennen, was zur damaligen Zeit auch nicht selten vorkam. Auch heute noch werden die Zigeuner mit ihren Planwagen von ihren Tinker-Pferden begleitet. In Dublin/Irland konnte man vor einigen Jahren vermehrt Tinker in armen Wohngebieten sehen, die Ponys lebten ohne Einzäunung zwischen Hochhäusern und ernährten sich dort von den Wiesen der Umgebung und dem wenigen, was die arme Bevölkerung für die Tiere erübrigen konnte. Diese Tinker wurden von den dort lebenden Kindern sehr geliebt und auch geritten.Obwohl die Pferdehaltung in Dublin wegen der zahlreichen Unfälle, die diese freien Pferde verursachten, vor einigen Jahren verboten wurde, sind die Tinker noch nicht ganz aus dem Stadtbild verschwunden, teilweise werden sie auch von den Kindern versteckt gehalten. In regelmäßigen Abständen werden diese Pferde von der Stadtverwaltung eingefangen und an Händler oder Schlachter verkauft.

Seit einigen Jahren erfreuen sich die Irish Tinker einer steigenden Beliebtheit, auch bei Freizeitreitern. Von England und Irland ausgehend, ist diese Welle der Popularität nun auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern angekommen.

Da das Interesse an dieser Pferderasse in den letzten zehn Jahren stark zugenommen hat, kauften Pferdehändler in England und Irland auf den Pferdemärkten alle gescheckten Pferde, deren sie habhaft werden konnten auf und diese wurden dann auf einem langen und oft nicht tierschutzgerechten Transport mit Schiffen in die Niederlande und nach Deutschland gebracht. Leider waren diese Pferde häufig in einem schlechten Zustand, wenn sie schließlich an ihrem Zielort ankamen und es konnte lange dauern, bis die oft völlig verstörten Tiere wieder Vertrauen zu Menschen fassten. Zum Glück geschieht dieses in der heutigen Zeit seltener als früher. Der Kaufpreis für einen Irish Tinker ist wegen der steigenden Nachfrage oft sehr überteuert.

Verwendung und Zukunftsaussichten::

Der Tinker ist das ideale Freizeitpferd. Er wird gerne als Familienpferd eingesetzt, zum Reiten wie zum Fahren. Eingespannt an der Kutsche, ein- oder mehrspännig gefahren, gibt er ein sehr schönes Bild ab. Er eignet sich für Reiterspiele und Trailparcours, da er so umgänglich und unerschrocken ist. Für Springen ist er weniger geeignet, da er ein eher schweres Pferd ist, Cavalettis stellen für ihn aber kein Problem dar. Dank seines Ursprungs und seiner Robustheit ist er das ideale Wanderreitpferd. Auch in der Dressur und der spanischen Reitweise ist der Irish Tinker dank seiner hohen Knieaktion schön anzusehen. Das Leistungsvermögen der Tinker wird in Irland gerne bei Trabrennen getestet.

Trotz seiner Gutmütigkeit ist der Tinker kein Pferd für Anfänger, da er einen sehr sturen Kopf haben kann und genau weiß, wie er diesen am besten zu seinem Vorteil einsetzen kann.

Der Irish Tinker sollte möglichst erst ab dem 4. Lebensjahr angeritten werden, da er zu den Spätentwicklern zählt und erst mit 6 Jahren ganz ausgewachsen ist.

Jeder Irish Cob ist ein Tinker, aber nicht jeder Tinker ein Irish Cob

Nicht jeder Tinker ist auch gleichzeitig ein Irish Cob, denn viele Tinkerpferde sind Kreuzungen von Irish Cob und anderen Rassen. Nicht selten sind diese Verbindungen Irish Cob mit Ponys, Irish Cob mit Clydesdales oder was in Holland sehr häufig zu finden ist, Irish Cob mit Shirehorses.

Alle diese Kreuzungen werden zwar als Tinker bezeichnet, sind aber keine echten Irish Cobs. Im Stammbuch werden sie aufgenommen als Irish Cob Sport Horse oder Irish Cob Keuzung im Appendix.

Nach dem zweiten Weltkrieg und dem damit verbundenen Strukturwandel in der Landwirtschaft war die Rasse des Irish Cob so stark in seinem Bestand gefährdet, das die bis dahin aufgebaute Zucht und ihre Zuchttiere langsam verschwanden. Das Irische Landeswirtschaftsministerium versuchte dem entgegen zu treten und gründete unter Frau Evelyn Flynn im Jahre 1998 die Irish Cob Society (ICS). Inzwischen ist die Irish Cob Society Ireland Ltd. von der Europäischen Union als offizieller Zuchtverband der Irish Cob eingetragen worden. Außerhalb Irlands können Irish Cob über den Europäischen Scheckenzuchtverband (ECHA) oder die Filialen der ICS Ireland Ltd. eingetragen werden, wobei sich das ECHA-Zuchtprogramm von dem der ICS unterscheidet.

Bis heute dürfen nur diejenigen Tiere bezeichnet werden, die als Irish Cob anerkannt wurden. Diese Anerkennung erhalten nur Tiere, die dem Rassenstandard der Irish Cob entsprechen.

Aussehen des Irish Tinker

Größe:

135 - 160 cm, je nach Typ und Herkunft

Farben und Abzeichen:

meist Rappschecken (piebald), aber auch Fuchs- und Braunschecken (skewbald). Es gibt auch einfarbige Tinker mit Abzeichen wie Blesse und weisse Füße. Die Erbanlage zur Scheckung ist bei fast allen Tinkern vorhanden.

Exterieur: 

Cob-Typ, kräftig, untersetzt, großer Kopf, manchmal Ramskopf, schmales Gesicht, lange Ohren, kurzes schwere Genick, mittellanger kräftiger Hals, lange dichte Mähne, breite Schultern, wenig Widerrist, breite stark bemuskelte Brust, Beine gerade und kräftig, dichter langer Kötenbehang, Kruppe leicht geneigt, tiefer Schweifansatz, dichter, oft gewellter Schweif, grosse, flache, kräftige Hufe

Aktion:

eher rund als flach, raumgreifender Schritt, sehr guter Trab mit hoher Knieaktion, guter Galopp

Eigenschaften:

extrem gutmütig, ausgeglichen, menschenbezogen, zuverlässig, robust, ausdauernd, arbeitswillig, guter Futterverwerter, große Trittsicherheit, nicht krankheitsanfällig.