Das Highlandpony

Das Highland Pony hat das Leben in Schottland über viele Jahrhunderte hinweg geprägt. Einst aus dem so genannten Keltenpony hervor gegangen, gingen diese sehr robusten Pferde mit ihrem Reiter durch dick und dünn, was ihren guten Charakter kennzeichnet.

Wegen ihrem Mut und großer Ausdauer wurden sie von der schottischen Bevölkerung geschätzt.

Ursprung und Geschichte des Highlandpony

Das heutige Highland Pony kann als eine Kombination der sehr ursprünglichen nordischen Pferde mit dem Keltenpony angesehen werden. Die Kelten gelangten im 4.-5. Jahrhundert auf die britischen Inseln und brachten ihre eigenen Pferde mit, die sich anschließend mit den einheimischen Pferden vermischten.

Von einem Rassenstandard war man zu diesem Zeitpunkt also noch recht weit entfernt.

Exakt lässt sich die Geburtsstunde des Highland Pony nicht genau bestimmen, denn es existieren in Sandstein gemeißelte Bildnisse aus der Zeit der Pikten (Ureinwohner Schottland) um 500-800 nach Chr. Diese Steinreliefs zeigen einen einheitlichen Pferdetyp mit einer Schulterhöhe von etwa 140 cm mit vielen Merkmalen, die sich auch im Highlandpony der heutigen Zeit finden lassen. Zum Ende der Herrschaft der Kelten erreichte auch das römische Heer die britischen Inseln. Die Kelten schafften es sich in wenige Regionen (Wales, Schottland, Irland und nördlich des Hadrianwall) zurück zu ziehen. Sie prägten bis heute die Sprache der Bevölkerung. Die keltische Sprache entwickelte sich aus indogermanischen Ursprüngen und wird unterteilt in Festlandkeltisch und Inselkeltisch. Bis heute überdauert haben Schottisch-Gälisch und Walisisch in England.

Das Highland Pony wird auch heute noch als Highland Garron (Gälisch = Wallach) bezeichnet.

Als ehemaliges Arbeitstier unterlag das Highlandpony zum Glück wenig moderneren Vorstellungen dieser Zeit und konnte sich fast frei von der Einflussnahme des Menschen zu einer der größten und stärksten englischen Ponyrasse entwickeln.

Auffallend beim betrachten des Exterieur des Highland Pony ist, das es vom Aussehen her ein Barockpferdetyp ist.

Stuten haben einen nicht zu langen Rechteckrahmen, wobei die Hengste eher quadratisch wirken.

Beiden gemein ist jedoch die aus Schulter und Oberarm kommenden schwungvollen freien Bewegungen der Vorderhand.

Erklären lässt sich Aussehen und Raumgriff durch die Einkreuzung von spanischen Hengsten im 16. Jahrhundert, die von den spanischen Eroberern entlaufen oder nach ihrer Abreise zurück gelassen wurden.

Foto: Im Quadratformat stehender Hengst

Geschichte, Gegenwart und Zukunft:

Zu früheren Zeiten wurde das robuste Pony in den Highlands, sowie auf den schottischen Inseln in der Landwirtschaft eingesetzt. Als Allroundtalent geschätzt, bearbeiteten sie mit Torfschlitten den Boden, schleppten Steine oder zogen schwere Wagen.

Die „Crofter“ - schottische Landwirte, nutzten sie auf den windigen Inseln für den Transport von Torf. All dieses erklärt, warum die Ponys zum wichtigen Bestandteil im Leben der Crofter wurden. Die Ponys wurden zeitweise in der Nähe der Wohngebäude (Cottages) gehalten oder streiften in kleinen Herden frei durch die Moore und Täler der Highlands umher.

Um mit den harten Klimabedingungen ihres Lebensraums klar zu kommen, entwickelten die Highland Ponys eine enorme Anpassungsfähigkeit, besondere Anspruchslosigkeit sowie Leichtfuttrigkeit.

Doch nicht allein zu friedlichen Zwecken wurde das Highland Pony eingesetzt. Sie wurden bei Kämpfen zwischen den einzelnen verfeindeten Clans eingesetzt oder mussten in der Armee ihren Dienst tun.

Fast hätte eine Schlacht den Ausschlag gegeben, das die Highland Ponys von den Inseln verschwanden.

Foto: Das Highland Pony vertraut seinem Menschen Grenzenlos

In der Schlacht von Culloden (1746) zwischen englischen Regierungstruppen und aufständischen englischen, schottischen und irischen Anhänger der im Exil lebenden nicht anerkannten Monarchen des Hauses Stuart gingen die Regierungstruppen siegreich hervor. Prinz Charles Edward Stuart (genannt Bonnie Prince Charles) und seine vor allem aus Hochländern bestehende Armee, wurde vernichtend geschlagen. Besonders bemerkenswert ist, dass die verarmten Schotten den besiegten Prinzen schützten und versteckten, obwohl England ein enormes Kopfgeld auf seine Ergreifung ausgesetzt hatte.

Da alle Schotten von den siegreichen Engländern der Unterstützung des Aufstands oder des versteckens des Prinzen bezichtigt wurden, wurde befohlen mit äußerster Härte gegen die schottische Bevölkerung vorzugehen Die englischen Truppen wüteten in den Highlands, es kam massenhaft zu willkürlichen Hinrichtungen, Verhaftungen, Plünderungen und Brandschätzungen. Alles was mit der traditionellen Kultur der Hochländer zu tun hatte, wurde vernichtet und unterdrückt. Unter anderem wurde die traditionelle Kleidung und der Dudelsack verboten. Lebten bisher ca. 8.000 Highland Ponys auf der Insel, blieben nur wenige Hundert übrig. Der Rest wurde geraubt oder geschlachtet. Weideflächen der Ponys wurden für die Schafzucht der neuen Großgrundbesitzer verwendet. Zum Glück erholte sich der Bestand an Highland Ponys langsam, was es der Liebe des Menschen zur Jagd zu verdanken hat.

Aufgrund seines gutmütigen Charakters, enormen Kraft und seiner Trittsicherheit im unwegsamen Gelände, wurde das robuste Pony für die Moorhuhnjagd sowie für die bis heute beliebte traditionelle Hirschjagd wieder entdeckt. Vorwiegend zum Lasten tragen genutzt, kann das Highland Pony ein vielfaches seines eigenen Körpergewichtes tragen. Nicht viele Pferde wären im Stande, einen erlegten Hirsch von rund 120-130 kg über Stock und Stein und über Stunden ins Tal zu schleppen.

Begründet durch Größe, Kraft und Wendigkeit unterschied man früher die Highland Ponys in die leichteren und kleineren „Western Isles Ponys“ und den kräftiger gebauten „Garron“ vom Festland. Bei diesem wurde einst Clydesdale ein gekreuzt. Heute gibt es diese Unterscheidung offiziell aber nicht mehr. Das Clydesdale ist ein kraftvolles Kaltblutpferd, das im 18. Jahrhundert in Schottland im Tal des Flusses Clyde entstand.

Seit 1890 gibt es ein schottisches Stutbuch, welches von der schottischen „Highland Pony Society Schottland“ geführt wird. In Deutschland gibt es das Highland Pony seit 1987. Seit 2007 wird die deutsche Highland Pony Zucht durch die „ IG Highland Pony – Der Clan e.V.“ betreut. Angaben zufolge gibt es inzwischen mehr als 350 Ponys in Deutschland.

Besonderer Blick des Highlandpony

Highland Ponys haben große, freundliche Augen die frontal im flachstirnigen Kopf liegen. Sie gehören zu den wenigen Pferderassen, die über ein überdurchschnittliches „binokulares Sehen“ verfügen.

Als binokulares Sehen bezeichnet man die Zusammenarbeit beider Augen. Besseres Sehen (mitunter auch räumliches Sehen) bedeutet für Pferde auch – bessere Erkenntnis, was als Folge daraus, auch selteneres Scheuen vor dem Unbekannten mit sich bringt.

Diese Besonderheit hat sich aus der Notwendigkeit entwickelt, in einer bergischen Landschaft rechtzeitig auf Geschehnisse in ihrer Umgebung zu reagieren, ohne kopflos davon zu rennen und sich zu verletzen. Viele Ponys sind praktisch „scheu frei“ was sie gerade als Kinderreitpferde zum idealen Freizeitpartner macht und als unschätzbarer Sicherheitsfaktor im Behindertenreitsport gilt.

Einigen Artikeln und Berichten zufolge, galt das Highland Pony noch bis zum Anfang unseres Jahrhunderts als das am besten töltende Pferd seiner Region. Tölter spielten und spielen auf den schottischen Inseln keine große Rolle, so wurden Pferde mit dieser natürlichen angeborenen Gangart weder beachtet – noch weiter gezüchtet. Ob bis heute noch Gene in den aktuellen Highland Ponys schlummern und sich manchmal in einzelnen Pferden zeigen, war leider nicht festzustellen.

Mit seinem wildtierähnlichen Aussehen, hat sich das Highland Pony bestens an die Farbe der Landschaft in welcher es lebt, angepasst.

Die Fellfarbe umfasst Braun- und Rottöne wie die Heiden und Moore der schottischen Landschaft oder Grautöne in allen Schattierungen wie die Eislandschaften und schneebedeckten Hügel.

Foto: Im Rechteckformat stehende Stute

Aussehen der Highlandpony

Größe:

1,32m - 1,48m

Farben und Abzeichen:

Falbfarben wie grau, mausgrau, flachs oder creme; Schimmel; Schwarzbraune, gelegentlich Braune und Dunkelfüchse mit silbrigem Langhaar; Rotschimmel und Füchse können vorkommen; Schecken sind nicht erlaubt. Außer einem kleinen Stern werden keine weiteren Abzeichen toleriert. Hengste mit darüber hinausgehenden Abzeichen sind nicht eintragungsfähig. Manche Ponys lassen noch das Ur“Wildpferd“ erkennen, denn man findet Zebramarkierungen an Schulter und vor allem Beinen.

Exterieur: 

kräftig; trockene, flache Knochen; kurzes Röhrbein; gut entwickelte, kräftige Hinterhand; nicht zu kurz gefesselt; gut geformte, breite, dunkle Hufe; weiche, seidige Kötenbehänge, vom Widerrist ausgehend angemessen langer Hals, gut ausbalancierter Körper; kompakt; gut angeschrägte Schulter; tiefe Brust mit viel Raum für Herz und Lunge; gut gewölbte Rippen.

Aktion:

Knieaktion von mittlerer Höhe, freie und taktvolle Bewegungen ohne übermäßige Aktion

Eigenschaften:

Intelligent, gelehrig und sehr brav, vertraut seinem Besitzer grenzenlos, zurückhaltend gegenüber Fremden, gutmütiger Charakter, nicht schreckhaft, Menschenbezogen

Verwendung

Das Highland Pony eignet sich für jede Sparte des modernen Reitsportes.
Hier gehören Springen, Dressur, Fahrsport, Western ebenso dazu, wie auch das Distanzreiten.

Aufgrund der genannten Besonderheiten wird es zudem zunehmend als Therapiepferd in der Hippotherapie und beim therapeutischen Reiten eingesetzt.