American Quarter Horses

Amerika – die Neue Welt. Sie zu erobern erforderte eine ganz spezielle Pferderasse, die in den grenzenlosen Weiten der Wildnis entstand und ihren Siegeszug um die ganze Welt antrat:

Das American Quarter Horse.

Obwohl sich auch viele andere Pferderassen in Nordamerika entwickelten, wird das American Quarter Horse bis in die heutige Zeit als das „Western Horse“ schlechthin bezeichnet. Immer, wenn man in Amerika auf Pferde trifft, sei es auf einem Rodeo, bei der täglichen Rancharbeit, in einem Westernfilm im Kino oder Fernsehen – oder auch wenn man ein Westernturnier besucht, so trifft man zu 90% auf American Quarter Horses. Als einzige ernst zu nehmende Konkurrenz auf seinen Spezialgebieten können die „bunten“ Verwandten, die Appaloosas und Paint Horses, gesehen werden.

Ursprung und Geschichte

Das American Quarter Horse ist in der amerikanischen Kolonialzeit ab dem 16. Jahrhundert entstanden, als die spanischen Eroberer und englischen Kolonialisten nach Amerika siedelten. Beide Gruppen brachten voneinander unabhängig ihre eigenen Pferderassen auf den neuen Kontinent. Die Portugiesen und Spanier brachten Berber, Araber und andalusische Pferde ins heutige Mexiko. Durch die großen Siedlerströme im 17. und 18. Jahrhundert trafen dann auch die typischen Pferderassen der Engländer ein, das Irische Pony, das englische Vollblut, aber auch schwere Arbeitspferde wie Pecherons und andere Kaltblutrassen.

In der weiten Wildnis der „Neuen Welt“ vermehrten sich entlaufene Pferde sehr schnell untereinander, die verschiedenen Rassen vermischten sich also und bildeten bald die Grundlage für die großen Mustangherden. Während die Mustangs somit durch Zufallszucht enstanden, wurden die in menschlicher Obhut befindlichen Pferde selektiv gezüchtet – zwar mit den gleichen Rassen als Ursprung aber gezielt auf Brauchbarkeit für den Einsatz auf der Ranch. Sie wurden unerlässliche Partner der Cowboys beim Viehtrieb, bei der Pflugarbeit der Farmer auf den Feldern oder wenn es am Sonntag mit Familie und Kutsche zur Kirche ging. Ein besonderer Spaß und eine gute Abwechslung war es anschließend, die Pferde auszuspannen und eine abgesperrte lange Strecke von 440 yards (ca. 400 m) gegeneinander antreten zu lassen. So entwickelte sich schnell die Leidenschaft für Pferderennen über kurze Distanzen, welche auf den Hauptstraßen der Siedlungen, Landstraßen oder auf ebenen Weiden stattfanden. Weil sich die frühere Wegstrecke von einer Viertelmeile durchgesetzt hatte, verblieb man bei dieser Distanz und so entstand der erste Name für die schnellen Pferde: „A-quarter-of-a-mile-race-horse“ und später „Celebrated American Running Horses“.

Über die Jahre hinweg gab es noch eine Vielzahl solcher abgeleiteter Namen, aber erst mit der Gründung eines Zuchtverbandes 1940 erhielt diese Pferderasse den offiziellen Namen „American Quarter Horse.“ Umgangssprachlich wird diese Pferderasse oft einfach als „Quarterhorse“ bezeichnet, was viele Liebhaber dieser Pferde nicht glücklich stimmt.

Zum Siegeszug dieses Pferdes führte aber nicht sein Name, sondern seine Eigenschaften. In der Kolonialzeit und der anschließenden Besiedelung durch die Farmer war ein gutes Arbeitspferd lebenswichtig. Und auch die Begeisterung für Pferderennen war aus dem Lebensalltag nicht mehr weg zu denken.

Aber für jede Verwendungsart ein Pferd zu besitzen war schierer Luxus und nicht finanzierbar. Somit mussten diese Pferde beide Eigenschaften mit sich führen – sie mussten zugleich kräftig und schnell sein. Von besonderer Wichtigkeit war zudem eine deutliche Gemütsruhe und Zuverlässigkeit bei der Arbeit. Bei der täglichen Rinderarbeit durfte das Pferd sich nicht aufregen und womöglich durch eine Überreaktion die Arbeit der Cowboys zunichte machen. Diese Fähigkeit der Pferde bekam auch bald seine eigene Bezeichnung: „cow sense“. Es bezeichnet die geistige Mitarbeit des Pferdes „mit zu denken“ und die Reaktion des Rindes schneller als sein Reiter zu erahnen, zu erkennen und darauf zu reagieren.

Als zuverlässiger Allrounder erfreut sich das American Quarter Horse ständig wachsender Beliebtheit und hat sich bis heute mit mehr als vier Millionen eingetragenen Pferden zu der zahlenmäßig größten Pferderasse der Welt entwickelt.

Eigenschaften des Quarter Horse

American Quarter Horses werden als vielseitig einsetzbare Pferde gezüchtet, welche sowohl für den Freizeitreiterbereich als auch für den Turniersport gleichermaßen einsatzfähig sind.

Aber nicht nur die korrekte Ausprägung der entsprechenden Körperformen und die rassetypischen Bewegungen gehören zum American Quarter Horse, sondern auch seine schier unermüdliche Ausdauer, seine Genügsamkeit und seine harte Konstitution.

Ein besonderer Wert wird auf gute Charaktereigenschaften und ein absolut ruhiges, gutartiges Wesen gelegt.

Die American Quarter Horse Association erkennt zur Zeit 17 verschiedene Farben an, doch es ist nicht auszuschließen das es noch ein paar mehr werden könnten. Bis 2004 wurden Pferde mit exzessiven weissen Abzeichen nicht als American Quarter Horse anerkannt, selbst wenn sie reinrassig gezüchtet waren. Aus dieser Not heraus entstand die American Paint Horse Association, die diese sogenannten „Out Crops“ als eigene Rasse anerkannte. Inzwischen dürfen auch Schecken als American Quarter Horse registriert werden, auch wenn viele American Quarter Horse Züchter dieser Entwicklung sehr skeptisch entgegen sehen – das typische American Quarter Horse ist weiterhin in den früheren Farben zu finden. Für eine Eintragung als American Quarter Horse der neueren anerkannten Farben seit 2004 (Cremello, White, Perlino) ist die Voraussetzung beide Elternteile sind registrierte Quarter Horses, nachgewiesen durch eine Genotypisierung beider Eltern und des Fohlens.

Die spätere Spezialisierung der American Quarter Horses auf die verschiedensten Aufgabenbereiche hat zu mehr oder weniger deutlich davon abweichenden Pferdetypen geführt.

Vor allem bei den Turnierdisziplinen wurden immer speziellere Fähigkeiten von den jeweiligen Pferden verlangt.

Die Pferdezucht stellte sich um und es entstanden „neue“ American Quarter Horse Typen, die naheliegender Weise nach den jeweiligen Westerndisziplinen benannt wurden.

Spezialisierung des Quarter Horse:

Das Foundation Horse ist das klassische, muskulöse, aber schnelle und wendige American Quarter Horse, das dem ursprünglichen Arbeitspferd am nächsten kommt. Es wird auch als „stock type“ bezeichnet.

Die Blutlinien führen nicht mehr als 20% Vollblutanteil, mit Ausnahme des Gründerhengstes „Three Bars“, der reiner Vollblüter war. Dieser Hengst beeinflusste wie kaum ein anderes Pferd die Pferderasse American Quarter Horse und unter seinen Nachkommen waren hervorragende Racehorses, Cutting, Reining und Roping Horses.

Typische Blutlinien der Foundation Horse: King P234, Poco Bueno,Wimpy

Die Cowhorses / Cuttinghorses Diese eng mit den Foundationhorses verwandten American Quarter Horse Typen sind kräftige, athletische Pferde mit einer enormen Reaktionsfähigkeit und Speed. Diese beiden Eigenschaften, gepaart mit dem nötigen „cow sense“, prädestinieren diese Pferde von Natur aus für die Rinderarbeit. Somit sind sie die Stars bei den Westerndisziplinen Cutting und Working Cowhorse. Da sie über außergewöhnliche Nervenstärke verfügen, sind sie aber ebenfalls sehr gut für den Freizeitreiter geeignet. Typische Blutlinien der Cowhorses: Doc Bar, Peppy San Badger

Reining Pferde Da Reining auch als „Dressur des Westernreitens“ bezeichnet wird, müssen diese Pferde sich sehr leicht trainieren lassen, denn hier wird alleine das absolut korrekte Reiten der verschiedenen Lektionen (Pattern) bewertet. Aus diesem Grunde müssen diese Pferde über einen athletischen Körperbau und ein gutes Galoppiervermögen verfügen. Reinigpferde sind relativ klein und leicht, wodurch sie eine extreme Wendigkeit erfahren. Typische Blutlinien der Reining Pferde: Hollywood Dun lt, Mr Gunsmoke

Halter Pferde Halter Pferde sind besonders korrekte und schöne Pferde, die am besten das Zuchtziel des American Quarter Horse verkörpert. Das Halter Pferd ist gut bemuskelt, harmonisch und absolut korrekt gebaut. Dabei ist es aber nicht klobig, sondern hat einen sehr schönen und ausdrucksvollen Kopf. Jeder, der es sieht wird von diesen Schönheiten in ihren Bann gezogen. In Deutschland gibt es im Gegensatz zu den USA, wo diese Pferde nur selten oder gar nicht geritten werden, kaum reine Halter Pferde. In der Westerndisziplin werden die Pferde an einem oft mit viel Chrom und Glitterzeug versehenen Lederhalfter mit Führkette, von einem ebenfalls schön ausstaffierten Führer vorgestellt. Typische Blutlinien der Halter Pferde: Impressive, Sir Quincy Dan

Pleasure und Hunter Typ Wie in kaum einer anderen Disziplin hat hier wohl die größte Spezialisierung der American Quarter Horses stattgefunden. Die heutigen Pleasure und Hunter Pferde sind hochelegante und großrahmige Tiere, welche einem Vollblutpferd mit guter Bemuskelung sehr ähneln. Typische Blutlinien der Pleasure Pferde: Zips Chocolate Chip

Racing Typ American Quarter Horses die professionell für Pferderennen eingesetzt werden haben meist einen sehr hohen Vollblutanteil. Sie treten traditionsgemäß über eine Viertelmeile an und sind auf dieser Kurzstrecke den reinen Vollblütern überlegen, die zwar eine höhrere Endgeschwindigkeit erreichen, aber nicht bei der hohen Beschleunigung aus der kräftigen Hinterhand des American Quarter Horses mithalten können. Typische Blutlinien der Rennpferde: Dash For Cash, Easy Jet


Größe:

145–160 cm

Farben und Abzeichen:

Alle Farben kommen vor, seit 2004 können auch gescheckt geborene Quarter Horses bei der American Quarter Horse Association registriert werden, vorausgesetzt beide Elternteile sind registrierte Quarter Horses, nachgewiesen durch eine Genotypisierung beider Eltern und des Fohlens. Ausgedehnte Abzeichen gelten jedoch nach wie vor als unerwünscht und nicht charakteristisch für die Rasse.

Exterieur: 

Kopf: kurzer, keilförmiger Kopf, kleine feste Maulwinkeln und starke Ganaschen;
gute Ganaschenfreiheit und ausgeprägter Stirnmuskel; gerade Nasenlinie mit breiter Stirn, große, intelligente Augen und kleine, fein geformte und bewegliche Ohren
Hals: Länge proprtional zum Rumpf, feines Genick. Ideal ist ein mittellanger Hals, dessen Verhältnis von Halswirbel zur Halsbandlänge 1:1,5 – 2 beträgt.
Rumpf: Rechteckformat mit einer langen Schulter, dabei ein kurzer Rücken und ein nicht zu hoher Widerrist, der weit in den Rücken hinein reicht. Genügend Brustbreite, nicht zu lange Beine und starke Beinmuskeln, besonders an der Hinterhand.
Fundament: trocken und korrekt, mit kräftigen Gelenken, kurzen Röhrbeinen und harten Hufen.

Aktion:

Der elastische Bewegungsablauf, der mit einer weichen Rückentätigkeit einher geht, ist korrekt taktmäßig und mit gutem Schub aus der Hinterhand.

Verwendung:

Quarter Horses sind Spezialisten - für jede Arbeit das passende Pferd (Siehe Beschreibungen oben)

Eigenschaften:

Meist ruhiges und freundliches Wesen, mit genügender Sensibilität dabei aber über mit guter Nervenstärke ausgestattet. Seine gute Auffassungsgabe erleichtert den Umgang und die Ausbildung dieser Pferde sehr.

Verwendung und Zukunftsaussichten:

Für die englische Dressur sind diese Pferde nur bedingt einsetzbar, ihre Hinterhand ist zu stark ausgeprägt und oftmals leicht überbaut, um vor den Augen der Richter Gnade zu finden.

Auch im Springsport sind sie aufgrund ihrer geringeren Grösse benachteiligt, was nicht bedeutet sie können nicht springen. Es gibt auch durchaus Quarter Horses welche regelrecht Spaß am springen haben - jedoch alles im Rahmen und bis zu einer bestimmten Höhe. Springen sollten auf den Springsport spezialisierte Pferde - aber die Westernlektionen lösen dagegen Quarter Horses mit unvergleichlicher Bravour.

Obwohl diese genügsamen Pferde ansich der perfekte Partner für Freizeitreiter ist, die Spass an langen Ausritten auf temperamentvollen, aber nervenstarken Pferde haben, findet man Quarter Horses in Deutschland meist in Westernreitställen, wo sie oftmals von professionellen Trainern ausgebildet werden. Dies liegt wohl daran, dass die hohen Preise für diese Rasse den Freizeitreiter noch vom Kauf abschrecken

Farben der Quarter Horses (Stand 2012):

Bay (Rotbrauner)
Deckhaar rotbraun, Mähne und Schweif sind schwarz, Beine vorwiegend schwarz, nicht selten auch mit Aalstrich
Bay Roan (Brauner mit sehr vielen Stichelhaaren)
Fellfarbe mit einer mehr oder weniger gleichmäßigen Mischung aus roten und weissen Haaren, Schweif und Mähne schwarz, dunkler Kopf, oft schwarze aber jedenfalls dunkle Beine
Black (Rappe)
Deckhaar schwarz, Mähne und Schweif scharz - bräunliche Bereiche sind nicht erlaubt
Blue Roan (Rappe mit sehr vielen Stichelhaaren)
Fellfarbe mit einer mehr oder weniger gleichmäßigen Mischung aus schwarzen und weissen Haaren, Schweif und Mähne schwarz, dunkler Kopf, oft schwarze aber jedenfalls dunkle Beine
Brown (Schwarzbrauner)
Deckhaar dunkelbraun bis fast schwarz, Mähne und Schweif sind schwarz, Beine vorwiegend schwarz, nicht selten auch mit Aalstrich
Buckskin (Falbe)
Fellfarbe gelb bis golden, Mähne und Schweif schwarz, normalerweise schwarze Beine, KEIN! Aalstrich
Chestnut (Dunkelfuchs, Schweissfuchs)
Deckhaar ist dunkelrot bis braunrot, Mähne und Schweif sind fellfarben oder heller, die Beine sind ebenfalls in fellfarben und nicht schwarz, nicht selten auch mit Aalstrich
Dun (Falbe mit Aalstrich)
Fellfarbe gelb bis golden, Mähne und Schweif schwarz oder dunkelbraun, nicht zwingend schwarze Beine aber normalerweise mit Zebrastreifen, immer! Aalstrich und dunkle Streifen über den Widerrist
Gray (Schimmel)
Fellfarbe ist eine Mischung von weißen und andersfarbigen Haaren. Bei der Geburt haben die Fohlen abgesehen von Abzeichen kein Weiß und werden mit dem Alter immer heller, bis sie völlig weißes Fell haben.
Grullo (Mausgrauer)
Fellfarbe rauch- oder mausfarbene, Mähne und Schweif schwarz, schwarze Beine, normalerweise mit Aalstrich.
Palomino (Isabell)
Deckhaar goldgelb, Mähne und Schweif weiss. Ein Palomino ist kein Fuchs, sondern hat eine deutlich gelblichere Fellfarbe.
Perlino
Fellfarbe ist weiß oder leicht cremefarben, Mähne und Schweif meist einen dunkleren Farbton als das Fell mit blass-kupferrot oder -orange, Haut ist am gesamten Körper rosa bis blassrosa, Augen sind blau
Red Dun (sehr heller Fuchs mit Aalstrich)
Fellfarbe blassrot, gelblich oder fleischfarben, Mähne und Schweif rot, rötlich, flachsfarben, weiß oder gemischt, rötlicher bis roter Aalstrich, Beine normalerweise mit Zebrastreifen, dunkle Streifen über den Widerrist
Red Roan (Fuchs mit sehr vielen Stichelhaaren)
Fellfarbe mit einer mehr oder weniger gleichmäßigen Mischung aus roten und weissen Haaren, roter Kopf und Beine (wenig weisse Haare eingemischt), rotes oder helleres Langhaar
Sorrel (Rotfuchs)
Deckhaar rot bis kupferfarben, Mähne und Schweif können fellfarben oder heller sein, nicht selten auch mit Aalstrich
White (Dominant weißes Pferd)
Fellfarbe, Schweif und Mähne sind weiß, rosa Hund mit manchmal kleinen dunklen Flecken, obgleich das Deckhaar dort weiter weiß ist. Manche „white“-Pferde können geflemmt sein, d. h. sie haben an manchen Stellen farbige Flecken, normalerweise vermischt mit weißen Haaren, Augenfarbe ist dunkel,