Zuchtmethode der Zukunft? - Die Genomanalyse

In der heutigen Zeit der Gentechnik werden immer neue Wege beschritten, um Erbkrankheiten im Vorfeld auszuschließen. Mit Hilfe dieser neuen Entwicklung in das Erbgut zu blicken, wurden bisher bereits einige Gentests beim Pferd möglich. Mit diesen Analysen konnten beim Pferd einige Defekte definitiv als Erbkrankheiten bezeichnet werden.



Foto: gesundes Miniaturhorse Fohlen

Hierzu zählen zum Beispiel die Hyperkalaemic Periodic Paralysis (HYPP) beim Quarter Horse, der Zerebelläre Abiotrophie oder Kleinhirnatrophie (englisch cerebellar Abiotrophy, kurz CA genannt) wie sie bei den arabischen Pferden vorkommen können oder die Junctional Epidermolysis Bullosa (JEB) eine autosomal rezessive Erkrankung, die bei belgischen Kaltblütern gefunden wurde. Aber es gibt natürlich noch andere Pferderassen mit möglichen Erbkrankheiten, es sollten nur diese als Beispiel dienen.

Um zu verstehen, warum dies so schwierig ist, sollten ein paar Erklärungen dienen, was Genome eigentlich sind.

Leider sind die Genome unserer Pferde im Vergleich zum Menschen oder anderen Tierarten noch nicht weit genug erforscht.



Ein Genom ist die Gesamtheit der DNS (=Erbbausteinmolekül) einer Zelle oder eines Organismus. Es enthält alle Informationen, welche zur Entwicklung der Leistungs- und Baumerkmale des Pferdes (Lebewesens allgemein) notwendig sind. Diese Informationen liegen dort jedoch nicht einfach lesbar vor, sondern sind in der Basensequenz /-abfolge der DNS verschlüsselt.

Noch verwirrter wird das ganze, weil die DNS noch weitere Basensequenz/-abfolgen enthält, die nicht direkt für die Ausprägung eines Merkmales verantwortlich sind. Außerdem liegen bisher zu wenig Erkenntnisse darüber vor, welche DNS-Abschnitte für welche Merkmale beim Pferd ausschlaggebend oder verantwortlich sind.



Foto: Holsteiner Fohlen beim spielen



Dieses liegt auch daran, dass bisher nur Stichproben von Pferden zur Genomanalyse vorgenommen wurden, was wohl unter anderem an den enormen Kosten dieser Analysen liegen dürfte.

Was hat das ganze nun aber mit der Pferdezucht zu tun?

Der Traum eines Pferdezüchters war es von je her, rezessiv veranlagte Erbfehler schnell entdecken zu können, um seine eigene Zucht mit gesunden Pferden weiter zu entwickeln.
Durch die Genomanalyse kommt er diesem Schritt unter Umständen einen gewaltigen Schritt näher, denn es wird die frühzeitige Entdeckung von Erbfehlern möglich sein.

In der Züchtung besonders gefürchtet sind Erbfehler, die wie zuvor beschrieben nur in einem Elternteil schlummern, die diesen, ohne selbst Schaden zu nehmen, weitergeben und so diesen Gendefekt auf eine große Population verbreiten könnten.

Erst wenn zwei gleiche Gendefekte in jedem Elterntier schlummern und auf „einen“ Nachkommen weitergegeben werden, würde diese Erbkrankheit auch als solche erkannt. Mit Hilfe der Genomanalyse können äußerlich gesunde Träger von einfach angelegten Erbfehlern zukünftig schon frühzeitiger von der Zucht ausgeschlossen werden.


Foto: Shetlandpony


Umgekehrt vermögen auch Träger von besonders erwünschten Anlagen früher als bisher erkannt werden. Sie können dann früher und schneller ihre guten Anlagen an die nächste Generation weitergeben.

In Züchterkreisen wird die Genomanalyse hoch diskutiert, denn trotzt aller möglichkeiten Krankheiten früh auszuschließen, so würden viele Anpaarungen rein nach den Genen bestimmt. Aber gerade viele sehr gute Sportpferde wurden in der Vergangenheit durch das Quentchen "Unsicherheit" bei der Pferdezucht und durch "mögliche" Anpaarungen der Elterntiere hervorgebracht. Wir sehen also gespannt in die Zukunft!



Pferdezucht und ihre Zuchtmethoden - Seite 1

und folgenden Inhalten: Erhaltungszucht, Verbesserungszucht, Reinzucht, Kreuzungszucht

oder Pferdezucht und ihre Zuchtmethoden - Seite 2

und folgenden Inhalten: Inzucht, Inzestzucht, Linienzucht, Gattungszucht, Gebrauchspferdezucht, Zufallsmixe