Die Einzelnen Phasen einer Fohlengeburt
Vorbereitungsphase

Dieses Stadium beginnt einige Zeit vor der Fohlengeburt, etwa in den letzten zwei bis drei Wochen. Dabei kommt es aufgrund einer hormonellen Umstellung zu einer starken Durchblutung des Geburtsweges, was eine wichtige Voraussetzung für die Auflockerung und notwendige Dehnungsfähigkeit des Gewebes bei der Fohlengeburt ist.
Gleichzeitig beginnt die Stute verstärkt aufzueutern. Äußerliche Anzeichen dieser Vorgänge sind ein Anschwellen (Ödem) im Bereich des Unterbauches, des Euters und der Hinterbeine (allerdings bei optimal gehaltenen, gefütterten und regelmäßig bewegten Stuten selten sehr ausgeprägt).

Foto: gut zu erkennender nach unten gesetzer Bauch einer tragenden Stute

Foto links: normales Euter einer nicht tragenden Stute         Foto rechts: Euter einer Stute kurz vor der Fohlengeburt

Wenige Tage vor der Fohlengeburt sind dann die so genannten Harztröpfchen/-zäpfchen an den Zitzenkuppen erkennbar. Sie entstehen durch das Eintrocknen der Vormilch, lassen jedoch beim Vorhandensein keinen genauen Rückschluss auf die nahende Fohlengeburt zu. Anders verhält es sich mit dem Einfallen der Beckenbänder (erkennbar durch das Weichwerden der Kruppe beiderseits der Schweifwurzel), dies ist oft sicheres Anzeichen für eine bevorstehende Fohlengeburt.

Alle diese Anzeichen verhindern jedoch niemals, dass eine ständige Beobachtung der Stute - rund um die Uhr - notwendig ist, um kein Risiko bei eventuell auftretenden Geburtsschwierigkeiten einzugehen.

Die Eröffnungsphase

Sie ist das zweite Stadium der Fohlengeburt und dauert etwa 2-3 Stunden. Je nach Temperament der Stute äußert sie sich unterschiedlich in: Unruhe; wiederholtem Hinlegen und wieder Aufstehen; kolikartigem Verhalten; Schlagen nach dem Leib; Flehmen, Kot- und Harnabsatz und sehr oft Schweißausbrüchen am Hals.

Foto: Flehmen kann ein Zeichen für die Geburtswehen sein

Bei älteren Stuten kann dieses typische Verhalten vollständig fehlen oder so wenig ausgeprägt sein, dass die Vorzeichen unbemerkt bleiben. Die Eröffnungswehen drücken zum einen die mit Fruchtwasser gefüllten Eihäute gegen den inneren Muttermund, zum anderen stellen sie das Fohlen auf die bevorstehende Geburt ein (das Fohlen sollte sich in Anpassung an das mütterliche Becken in die richtige Lage drehen). Reaktion darauf ist ein Öffnen des Muttermundes und des Gebärmutterhalskanales.

Die nun einsetzenden weiteren Wehen drücken langsam die Fruchtblase tiefer in die Scheide. Insgesamt bedeutet dieser Vorgang eine sehr schonende Erweiterung des Geburtsweges, der den späteren Durchtritt des Fohlens ermöglicht.


Austreibungsphase

Nach Abschluss der Eröffnungsphase beginnt das dritte Stadium, die Austreibungsphase. Sie ist gekennzeichnet durch die in immer kürzeren Abständen auftretenden Wehen und das Hinausdrängen der Fruchtblase nach außen durch die Schamlippen. Als erstes erscheint die dünnhäutige und bläulich verfärbte Wasserblase. Die fortschreitenden Wehen bringen die Wasserblase zum plötzlichen Platzen, worauf sich eine harnartige dunkle Flüssigkeit entleert.

Als nächstes erscheint die grauweißlich gefärbte Fruchtblase, welche das Fohlen umschlossen hält. Sie ist sehr viel widerstandsfähiger als die Wasserblase und enthält eine dickflüssige, schleimige, grau bis grau-gelbliche Flüssigkeit, die auch die Geschmeidigkeit des Geburtsweges sicherstellt.

Sehr bald werden dann bei einer normal verlaufenden Fohlengeburt die Gliedmaßenspitzen und der vordere Teil des Fohlenkopfes erkennbar.

Im weiteren Geburtsablauf platzt dann nach Austreten des Kopfes und des Vorderkörpers die Fruchtblase.

Mit den nächsten Wehen wird das Fohlen vollständig geboren.

Nicht selten kann es vorkommen, dass die Reißfestigkeit der Fruchtblase seinen Zweck verfehlt und die Fruchtblase das Fohlen auch nach der Geburt noch umschlossen hält. Ein Fohlen, welches in dieser Umhüllung geboren wird, kann sich nicht selber befreien, hier ist schnelles Eingreifen von Menschenhand nötig, ansonsten kommt es in der Regel zum Ersticken des Fohlens.

Insgesamt dauert die Austreibungsphase bei der Stute nur etwa 5 bis 10 Minuten.
Jede weitere Verzögerung könnte ein Hinweis auf eine Störung im Geburtsablauf sein.

Ebenso wichtig: Die Nachgeburt sollte binnen 2 Stunden abgegangen sein, andernfalls besteht die Gefahr einer Geburtsrehe bei der Stute.


Prägungsphase - als Phase nach der Fohlengeburt

Leckt die Stute ihr Neugeborenes ab, erwachen die Mutterinstinkte und die Geburtsmühen sind bald vergessen. Diese Art der Kommunikation zwischen "Mutter und Kind" hat für das Fohlen etwas ganz wesentliches und lebensnotwendiges: die Prägung auf die Zuchtstute (Mutterstute).

Innerhalb von etwa zwei Stunden wird das Fohlen ohne Ablenkung von anderer Seite (Herdenverbund, ranghöheren Tieren) auf seine Mutter geprägt. Das neugeborene Fohlen lernt also, kaum dass es auf der Welt ist, den Umriss, den Geruch und die Stimme der Mutterstute kennen.

Aufgrund des daraus folgenden Instinktverhaltens des Fohlens wird es später seiner Mutter folgen, wohin sie auch geht. Dieses Verhalten ist für ein in freier Wildbahn lebendes Fohlen lebensnotwendig, denn die Mutterstute ist die einzige, die ihm Schutz, Wärme und Nahrung spendet. Somit muss ein Fohlen seine Mutter in einer Herde einwandfrei herausfinden können.

Steht das Neugeborene erst einmal auf seinen eigenen Beinen, kann der Züchter aufatmen. Die erste Milch schützt am besten, deshalb sollten Fohlen möglichst schnell diese Biestmilch (Kolostralmilch) aufnehmen.


Wackelige Schritte in's Leben

Der erste Ausflug am anderen Morgen ist immer was besonderes im Leben eines jeden Fohlens.

Fohlen die sehr früh im Jahr geboren wurden sollten aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse die Möglichkeit für erste Schritte in der Halle bekommen.
Dicht bei seiner Mama wird es zwar noch auf wackeligen Beinchen, aber neugierig, diese neue Welt erkunden.