Faszination der kleinen Fohlen

Jeder hat sie sicherlich schon einmal verspürt, diese Faszination der kleinen Fohlen, wenn sie verspielt ihren Müttern über die Weide folgen. Sie haben dieses gewisse Charisma, welchem wir uns nicht entziehen können.

Aber wer macht sich bei ihrem Anblick schon Gedanken darüber, wieviel Verantwortung der Züchter für dieses niedliche Geschöpf übernommen hat?

Sie fängt schon lange vor seiner Geburt an und hört nicht mit dem Zeitpunkt des Absetzens auf.

Versuchen wir doch einmal, uns ein paar dieser möglichen Gedanken eines Züchters zu machen.

Der Züchter muß mit Überlegung und Sachkenntnis an die Fohlenzucht herangehen, er braucht das gewisse „Quentchen" Glück und eine goldene Hand.

Die letzten beiden Voraussetzungen sind leider nicht beeinflußbar, aber an Überlegung und Sachkenntnis kann jeder ernsthaft interessierte durch Nachfragen und Information gelangen.

Frage: Macht ein Fohlen zu züchten nicht so viel Spaß, dass es alle Mühe lohnt?

Jede Fohlenzucht ist arbeitsintensiv. Das sollte niemals vergessen werden. Es fängt bei dem suchen nach dem passenden Hengst an, und hört nicht mit den möglichen Nachtwachen bei der nahenden Geburt auf. Dazwischen benötigt man noch viel Zeit für Untersuchungen durch den Tierarzt, dem manchmal notwendigen mehrmaligen Transport der Stute zum Hengst, dem mit der wachsenden Trächtigkeit der Stute zu beobachtenden Allgemeinzustand. Wer sich dieses vermehrten Zeitaufwandes nicht voll bewußt ist, wird schnell die Freude an seinem späteren Fohlen verlieren, denn noch zeitintensiver ist die spätere Fohlenaufzucht.


Frage: Kann man nicht stolz sein, ein eigenes Fohlen gezogen zu haben?

Das seinem Zuchtziel (eigenem oder rassenspezifischem) entsprechende Fohlen erfüllt wohl jeden Züchter mit begründetem Stolz.

„Irgend" ein Fohlen gezogen zu haben, ist eher etwas, was jeden zum nachdenken bringen sollte. Es ist nicht nur die gerade angesprochene Arbeitsintensivität zu beachten, sondern auch noch die durch das Fohlen entstandenen Kosten, wie zum Beispiel Tierarzt, Deckgeld oder Zahlungen an Zuchtverbände. Kaum jemand investiert wohl Geld in etwas, was nicht annähernd seinen Vorstellungen entspricht, warum sollten wir das dann bei so etwas wichtigem wie einem Fohlen machen. Einem Wesen, für das wir mit seiner Geburt die Verantwortung für ein „Pferdeleben" übernommen haben.


Frage: Eignet sich ein Fohlen als Weidepartner für eine einsame Stute?

Fohlen brauchen Spielgefährten. Sie müssen ihren eigenen Charakter entwickeln können, Rangordnungen ausfechten, lernen sich unter- und einzuordnen. Ein Fohlen, welches seit seiner Geburt nur mit der Mutterstute zusammen steht, verkümmert womöglich mit der Zeit.

Wenn ein Fohlen also nur als Weidepartner gebraucht würde, warum könnte diesen Dienst nicht viel besser ein gleichaltriges anderes Pferd oder Pony tun, vor allem wenn die Stute vielleicht auch schon älter ist, und durch ein quirliges Fohlen eher „genervt" sein könnte?


Frage: Sollte man sich aus seiner Stute ein Nachwuchspferd ziehen?

Wenn das Exterieur (Körperbau), Interieur (Charakter) und Zuchtalter der Stute stimmen und wir Zeit und Geld für ein zweites Pferd haben - ja, warum nicht? Nur muß man sich dabei auch vor Augen führen, daß ein „Nachwuchspferd" ausgebildet werden muß. Diese Ausbildung muß von Anfang an richtig sein, denn Fehler lassen sich nie leicht korrigieren, in schweren Fällen gar nicht mehr. So wurde schon manches vielversprechende Nachwuchspferd durch falsche Erziehung und Ausbildung unbrauchbar gemacht. Darauf werden wir in späteren Berichten und Artikeln noch genauer eingehen.


Eine kranke, zum Sport unbrauchbar gewordene Stute eignet sich doch bestens zur Zucht?

Wenn sie durch einen Unfall verletzt wude, dann könnte sie unter Umständen noch einige Jahre als Zuchtstute eingesetzt werden. Voraussetzung ist aber, daß sie wirklich schmerzfrei ist und auch noch ihrem Fohlen auf der Wiese folgen kann.

Ist sie durch Krankheit unbrauchbar, ist diese Frage nicht so einfach zu beantworten. Zu häufig vererben sich die Anlagen zu bestimmten Krankheiten. Was nutzt es, ein Fohlen zu züchten, welches in ein paar Jahren das gleiche Schicksal der Mutterstute ereilen würde?


Vergessen sollten wir trotz aller Überlegungen niemals, welch ein Glück jedem Züchter für eine gesundes,
gutes Fohlen beschieden ist, wenn es mit seiner Mutter über die Weiden tobt.