Hunderasse Deutscher Spitz

Alle Hühner waren fort. - »Spitz!!« - Das war ihr erstes Wort.

»0 du Spitz, du Ungetüm! Aber wart! Ich komme ihm!«

Diese Worte sprach Witwe Bolte nach dem 2. Streich von
„Max und Moritz“ (Wilhelm Busch)
und zeugen davon, dass man damals dem Spitz
jede Untat zutraute.

Ursprung und Geschichte der Spitze:

Ohne Zweifel zählen Spitze zu den ältesten bekannten Hunderassen. Als sein Urahn wird in vielen Hunderassenportraits in Büchern, Internet oder Zeitschriften der Torfhund angesehen.

Torfhunde waren in der neueren Steinzeit die Begleiter des Menschen und von ihm sollen viele unserer heutigen Hunderassen abstammen. Bei Ausgrabungen wurden etwa 5000 Jahre alte Knochenreste und Schädel von Hunden in großen Mengen in Pfahlbauten gefunden. Der Berner Zoologe und Kynologe Theophil Studer beschrieb die Überreste als Tiere von der Größe und Gestalt eines mittelgroßen Spitzes.

Aus dieser eher vagen Beschreibung der Ähnlichkeit zu den heutigen Spitzen entwickelten sich schnell Bezeichnungen wie „Torfspitze“ oder „Pfahlbauspitze“ für die Torfhunde. Daher wurde einige Jahrzehnte lang vermutet, dass Torfhunde die direkten Ahnherren aller nordischen Hunde, der Deutschen Spitze und über verschiedene Stufen auch anderer Hunderassen sein müssten. Diese Theorie stellte Studer im Jahre 1901 mit seiner Urrassen-Studie der Hunde auf.

Im Jahre 1953 machte der Torfstecher Hermann Albers aus Bockhorst eher zufällig eine Entdeckung im Moor. Er fand eine gut erhaltene Hundemumie, welche zunächst auf die Bronzezeit, somit auf ein Alter von mehr als 3000 Jahren bestimmt wurde.

Schnell machte die Entdeckung eines prähistorischen Torfhund oder Torfspitz (Canis palustris) die Runde.

Doch nach einer im Jahre 2010 durchgeführten Radiobarbondatierung kamen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass der Hund in den Jahren zwischen 1477 und 1611 n. Chr. (1544 ± 67 Jahre n. Chr.) gestorben sein müsste.

Obwohl leider durch die unsachgemäße Bergung Teile des Kopfes, als auch sämtliche Teile der unteren Extremitäten fehlten, so überraschend gut blieben Haut und Haarkleid des Hundes erhalten. Bei dem Tier handelte es sich um einen noch sehr jungen Rüden mit einer Länge von ca. 70 cm und einer Schulterhöhe von max. 40 cm. Der Körperbau entspricht aber weniger den heutigen Spitzen, sondern erstaunlicherweise am ehesten dem des Hovawarts. Das gut erhaltene, teilweise noch glänzende Fell, scheint wiederum spitzartig.

Link zum Geomuseum

Verwunderlich ist, dass obwohl Spitze im Mittelalter einer der häufigsten Wachhunde auf deutschen Bauernhöfen waren, findet sich nichts über sie in hundekundlichen Werken dieser Zeit. Er galt einfach als zu gewöhnlich, gar ordinär. "Mistbella" nannte man den Hund, was in Misthaufen Schreier übersetzt werden könnte. Waren Spitze es doch die ohne Überlegung auf den Misthaufen sprangen um von einem höheren Punkt Alarm bellend, weithin hörbar zu sein. In den gleichen Zeitrahmen zu Lebzeiten des gefundenen „Torfhundes aus Bockhorst“ passt es, dass erstmalig 1450 die Bezeichnung „Spitzhund“ in einer von Graf Eberhard zu Sayn erlassenen niederrheinischen Hausordnung zu finden ist. In dieser jedoch wurde der Gebrauch dieses Namens als Schimpfwort bei Strafe untersagt.

Da bis heute außer Knochenteilen des Torfhundes keine weiteren Funde bekannt sind, somit niemand das wirkliche Aussehen dieser prähistorischen Hunde kennt, ist fraglich ob man diese guten Gewissens als „Torfspitze“ bezeichnen kann. In neuerer Literatur oder Rassenbeschreibungen der Spitze weist man zudem darauf hin, dass die Theorie des „Torfhundes“ als Urvater der heutigen Spitze nicht mehr haltbar ist. Zwischenformen seien nicht gefunden worden und man könne auch nicht aus der Form und der Größe eines Schädels auf die Hunderasse schließen.

Wissenschaftlich belegt ist inzwischen jedoch die Tatsache, dass die Hunde in der zweiten Hälfte des Torfzeitalters einen Evolutionsschritt durchlaufen haben müssen. Es wurden Schädelknochen gefunden, die sich in drei Typen einteilen ließen. In der Literatur über Hunde und ihre verschiedenen Rassen werden diese Schädel dem Hundetyp Terrier, Spitz oder Schnauzer zugerechnet. Ob dieses jedoch einwandfrei an der Form und Größe der entdeckten Schädel möglich ist, bleibt auch hier bisher fraglich. Sicher ist jedoch, der Mensch ist in dieser Zeit zum Hundezüchter geworden und die Sumpfhunde bildeten regelrechte Rassengruppen.

Die Forscherin Heidi Parker beendete im Juni 2009 eine Studie, in welcher sie eine genetische Landkarte der Hunde aufstellte. In dieser kann abgelesen werden, wie weit eine bestimmte Hunderasse vom Wolf abstammt. Zum Beispiel steht ein Shiba Inu dem Wolf genetisch näher als ein Boxer. Die Forscherin fand auch heraus, dass die europäischen Hunderassen in der Regel ein Produkt aus der Zeit nach 1800 sind, also eine vom Menschen geschaffene Klassifizierung jüngeren Datums. Sie sah somit keinerlei wissenschaftliche Anhaltspunkte der Abstammung von „Torfhunden“ vor 5000 Jahren oder den „Römerhunden“ vor 2000 Jahren.

Gleichviel Herkunftstheorien (wie die des Torfhundes als Urahn) im Internet gehen davon aus, dass die Spitze ursprünglich aus den Skandinavischen Ländern stammen müssten. Wahrscheinlich sind sie mit dem norwegischen Elchhund, dem Samojeden und dem holländischen Keeshond verwandt und kamen mit den Wikingern nach Mitteleuropa. Dafür sprechen auch Felszeichnungen aus der Bronzezeit aus Norwegen und Dänemark, die belegen, dass die Wikinger spitzartige Hunde für die Elch- und Hirschjagd verwendeten. Hunde begleiteten später auch ihre Herren auf längere Schiffsreisen und Raubzügen. Durch diese mögliche Verwandtschaft mit den nordischen Hunden lässt sich auch die doppelte Unterwolle des Spitzes erklären, denn diese schützt vor der beißenden Kälte des Nordens.

Welche Ahnen im Spitz sich nun tatsächlich finden lassen, ist bis heute nur Spekulation. Sicher ist jedoch: Der Spitz gehört zu den ältesten bekannten Hunderassen.

Erste Indizien auf Spitze lassen sich aus Funden aus der Zeit um 4.000 v. Chr. ableiten. Abbildungen spitzähnlicher Hunde befinden sich auf altgriechischer Keramik, römischen Münzen und Pompejianischen Mosaiken. Außer in Europa fand man ebenfalls Beweise ihrer Anwesenheit in Zentral-, Süd- und Ostasien bis zu den Inseln des Pazifiks und im Westen bis Madagaskar.

Kurzbeschreibungen Spitz Varianten:

Der Deutsche Spitz ist eine deutsche Hunderasse, die sich in fünf verschiedene Varietäten aufteilt. Unterschieden werden diese jedoch nur in Größe und Farbe:

  • Der Wolfsspitz
  • Der Großspitz
  • Der Mittelspitz
  • Der Kleinspitz
  • Der Zwergspitz (Pomeranian)


Wolfsspitz

Wolfsspitze besitzen einen gedrungenen Hals mit einem quadratischen Körperbau. Widerristhöhe und Länge des Hundes sind identische Maße.

Ihren Namen haben sie erhalten durch das silbergraue Fell mit schwarzen Haarspitzen, sowie durch verschiedene Schattierungen an Schulter und Gesicht, was an das „wolfsgrau“ der Wölfe erinnert. Diese Färbung nennt sich graugewolkt.

Der Wolfsspitz hat eine Größe von 49 cm +- 6 cm und wird bis zu 25 kg schwer.


Großspitz

Früher gab es Großspitze noch in vielen Farben, seit den 60er Jahren leider nur noch in den anerkannten Farben weiß, schwarz und braun. Angeblich sollen seit den 90er Jahren kaum noch braune Großspitze gezüchtet worden sein, obwohl die gesamte Großspitzpopulation mit Sorge zu betrachten ist.

Der weiße Großspitz war eher in vornehmen und gutbürgerlichen Gesellschaftskreisen und den Küsten der Nord- und Ostsee zu finden. Der Südwesten Deutschlands gilt bis heute als die Heimat des schwarzen Großspitzes. Bekannt ist er dort auch unter dem Namen „Weinbergspitz“, oder sollte man besser sagen, war er unter dem Namen „Weinbergspitz“ bekannt. Winzer schätzten ihn nicht nur als Wachhund um Diebe fern zu halten, sie eigneten sich auch hervorragend als Vogelscheuchen die Vögel von den Reben fern hielten.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. setzte die Großspitze im Jahre 2003 in die Kategorie I (extrem gefährdet) laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.

Großspitze sollten eine Körpergröße von 46 cm +- 4 cm und ein Gewicht von etwa 15-20 kg aufweisen.


Mittelspitz

Mittelspitze besitzen wie alle anderen Spitze eine weiche Unterwolle. Obwohl in Deutschland meist einfarbig (schwarz, braun, weiß, orange) gezüchtet wird, so sind alle Farbspielarten erlaubt, wie zum Beispiel graugewolkt, gescheckt oder wolfsfarben.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. setzte die Mittelspitze im Jahre 2003 in die Kategorie II (stark gefährdet) laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.

Mittelspitze sollten eine Körpergröße von 34 cm +- 4 cm und ein Gewicht von etwa 11 kg aufweisen.



Kleinspitz

Früher wurde der Kleinspitz als weißer Spitz im Mannheimer Raum gezüchtet, weshalb er auch als Mannheimer Spitz bekannt war. Häufig wurde er auch als Zwergspitz bezeichnet, wodurch namentliche Verwechslungen mit dem heutigen Zwergspitz sich bis heute gehalten haben. Kleinere Spitze fuhren früher auf den Wagen mit und bewachten das Eigentum ihrer Herren während deren Abwesenheit, wodurch sie auch als „Fuhrmannspitz“ bezeichnet wurden. Den gleichen Effekt hatten kleinere Spitze die mit Schiffen unterwegs waren. Da sie nie ohne ihre Herren von Board gegangen wären, waren sie bei der Binnenschiffart sehr beliebt, was ihnen auch den Beinnamen "Schifferspitze" einbrachte.

Die Farben der Kleinspitze sind identisch mit denen des Mittelspitz, hauptsächlich weiß, schwarz, braun, orange, aber auch gescheckt und andere Farben.

Kleinspitze sollten eine Körpergröße von 26 cm +- 3 cm und ein Gewicht von etwa 4-5 kg aufweisen.


Zwergspitz (Pomeranian)

Ein echter Winzling unter den Hunderassen ist der Zwergspitz, welcher in anderen Ländern besser bekannt ist als Pomeranian. Der Zwergspitz ist im eigentlichen Sinn keine eigene Rasse, sondern ist der Kleinste Schlag vom „Deutschen Spitz“.

Da in dem Kleinsten unter den Spitzen "mehr Hund“ steckt als man vermutet, gibt es über ihn eine ausführliches Hunderassenportrait.

Link zum Zwergspitz

Wesen der Spitze:

Das Wesen der Spitze lässt sich sehr schön mit einem Zitat von Ludwig Beckmann (1822-1902) aufzeigen: „... Der Spitz übertrifft alle anderen Haushunde an Wachsamkeit. Beständig misstrauisch, argwöhnisch und alle Vorgänge in seiner Umgebung beobachtend, bringt der geringste Verdacht ihn sofort in Alarm. Die Sorgen für das sein Obhut anvertraute Gut treibt ihn meist bis zum äußersten und zeigt damit eine Anhänglichkeit, die oft geradezu rührend ist ... „

Spitze wurden als Haus und Wachhunde darauf hin gezüchtet eng mit dem Menschen zusammen zu leben. Daher sind sie sehr menschenbezogen und „ihrem“ Menschen treu ergeben. Fremden gegenüber zeigen sie sich jedoch eher skeptisch und misstrauisch.

Dieses Verhalten wurde den Spitzen angezüchtet, für ihre Aufgabe als Wachhund ist das eine geforderte Eigenschaft. Sein Job war es früher, Störungen (z.B. Eindringlinge) in seinem Revier nachdrücklich und lautstark zu melden.

In heutiger Zeit hat ihm aber genau jene angezüchtete Eigenschaft den Ruf des Kläffers eingebracht. Wer sich für einen Spitz entscheidet, sollte keine Probleme mit seiner Tätigkeit als Alarmanlage haben. Allerdings ist nicht jeder Spitz automatisch auch ein Kläffer.

Ein Spitz ist bei konsequenter Erziehung sogar ganz leicht davon zu überzeugen, seinem Menschen zu vertrauen wenn dieser ihm zeigt - es droht keine Gefahr - ich habe alles im Griff - höre auf zu bellen. Der Spitz wird umgehend aufhören zu bellen, denn mehr wollte er ja nicht bezwecken als seinen Herrn aufmerksam machen.

Es ist also völlig unnötig einen Spitz zu verschmähen nur weil er seinen Job machen möchte. Eher sollte man darauf vertrauen das ein Spitz alles tun wird um seinem Herrn zu dienen. Dazu muss allerdingst auch klar sein, wer hier der "Herr" ist und das sagen hat. Dann ist alles gut! :-)

Alle Spitzarten sind gerne aktiv. Für sportliche Aktivitäten sowie Agility ist der Spitz bedingt geeignet. Er hat große Freude, ihm gestellte Aufgaben bestmöglich zu erledigen … allerdings nur, solange wie er Spaß an der Sache hat. Wenn er keine Lust mehr hat, dann ist er mit keinem Leckerlie dieser Welt zu einer Weiterarbeit zu überzeugen. Solange man akzeptieren kann, dass der Spitz selbst bestimmt, wann er mitmacht und wann er genug hat, ist dieser Hund ein sich anpassender Mitläufer.

Spitze sind geeignete Familienhunde, die sich auch mit Kindern gerne freundlich abgeben und mit ihnen spielen. Mit anderen Haustieren hat der Spitz normalerweise auch keine Probleme. Am Streunen und Jagen hat der Spitz im Allgemeinen kein Interesse. Er ist ein sehr gelehriger Hund, es macht Freude, ihm Kunststückchen beizubringen.

Trotz dem langen Fell mit der dicken Unterwolle, ist die Pflege nicht sehr aufwändig. Die seidigen Haare lassen sich gut kämmen und verfilzen kaum. Das dichte Haarkleid schützt perfekt vor Kälte und Nässe, ein Spitz friert nicht.

Bei Hitze sollte man dem Spitz allerdings keine großen Aktivitäten zumuten, sondern ihm einen kühlen Aufenthaltsort zur Verfügung stellen.

Spitze können im allgemeinen recht alt werden, wobei - wie bei anderen Hunden - die kleineren in der Regel ein höheres Alter erreichen als die größeren Rassen. Den Tierarzt muss man meist nur für Impfungen aufsuchen, ein Spitz ist von robuster Natur.

Verbreitung der Spitze:

Von den fünf Spitztypen ist der Zwergspitz der beliebteste. Trotz seiner handlichen Größe kann er aber nicht mit der Beliebtheit von Yorkies oder Westies konkurrieren. Der Wolfsspitz hat eine Fangemeinde, die ihm zu einer gesunden Zucht (ohne Überzüchtung) verhilft, ebenso der Kleinspitz. Mittel- und Großspitz sind leider bereits auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere gelandet.

Spitz pass auf - sonst stirbst Du aus!

Dieses Motto hat besondere Aktualität erreicht, gerade einmal ein duzend Zuchttiere des Großspitzes gibt es noch in Deutschland.


Buchvorstellungen, DVD oder anderes zum Deutschen Spitz