Hunderasse Afghanischer Windhund

Der Afghanische Windhund - oder kurz genannt Afghane - hat den Ruf, unter allen Hunderassen die am "höchnäsigste" zu sein. Dieser Eindruck entsteht aufgrund seiner anmutigen und grazilen Erscheinung und durch sein langes Fell, das sich seidig um seinen Körper schmiegt, was ihn besonders in seiner federnden Gangart außergewöhnlich würdevoll aussehen lässt. Vornehme Zurückhaltung und ein hoch erhobener Kopf zeichnen diese Hunderasse aus. Natürlich ist diese edle Hunderasse nicht "hochnäsig", diesen Begriff gibt es in der Hundewelt nicht. Eher könnte man ihn als stolz und eigenwillig bezeichnen, wenn er mit gelangweiltem Blick durch andere Hunde oder auch Menschen, die er nicht mag, hindurchzusehen scheint.

Unter den Windhunden ist der Afghane einer der beliebtesten Vertreter.


Schnell wie der Wind, mutig wie ein Löwe und treu bis in den Tod


(afghanischer Spruch über diese Windhunde)

Ursprung und Geschichte:

Das Herkunftsland des Afghanen ist in seinen Namen übernommen worden: Im Norden von Afghanistan soll es bereits vor 4000 Jahren Windhunde gegeben haben, die dem Erscheinungsbild des heutigen Afghanen ähnlich waren. Eine Legende der Araber besagt, dass sogar Noah Afghanen mit auf seine Arche genommen hat.

Der "Thasi", wie man ihn in seiner Heimat nennt, wird von den Mohammedanern hoch geschätzt, während andere Hunde als niedere und sogar verachtenswerte Wesen gesehen werden. Der Afghanische Windhund war sehr wertvoll, oft sogar mehr wert als ein gutes Rennpferd oder sogar die eigenen Frauen. Das Ansehen und die ganze Existenz einer Familie war häufig mit dem Wohlergehen der "Thasi" gekoppelt.

Die Hunde wurden intensiv zur Jagd eingesetzt, manchmal gemeinsam mit abgerichteten Falken. Dabei mussten sie das Wild völlig selbständig und ganz auf sich alleine gestellt oft über viele Kilometer hetzen, ob in unwegsamem Gebirgsgelände oder in der freien Steppe. Bis in die heutige Zeit hat sich diese Hunderasse ihre Unabhängigkeit und den Freiheitsdrang bewahrt.

Obwohl in Afghanistan ein Exportverbot für die Windhunde galt, gelang es Angehörigen der britischen Armee nach dem afghanischen Krieg 1879/80, einige der Hunde nach Europa auszuschmuggeln. Nach und nach folgten weitere Hunde und 1886 wurde zum ersten Mal eine Hündin ("Mortee") in Bristol auf einer Ausstellung vorgestellt. Im Jahre 1907 gewann der Rüde "Zardin" bei der Kennel Club Show in London und erregte damit großes Aufsehen unter den Hundefreunden, die diese Rasse bisher meist noch nie gesehen hatten. Sogar Königin Alexandra war so angetan, dass sie diesen herrlichen Hund im Buckingham-Palace vorführen ließ.

Die Familie Bell Murray importierte 1920 sieben afghanische Windhunde vom Typ des größeren Steppenhundes aus dem Grenzgebiet Afghanistans nach England (Bell Murray Typ) und die Familie Amps brachte den kleineren und üppiger behaarten Bergtyp des Hundes (Ghazni Typ) nach Großbritannien. Es wurde leider versäumt, diese Hundetypen als zwei Varianten zu trennen, so dass sich der langhaarige Ghazni-Typ schließlich durchsetzte und der ursprüngliche Steppenafghane heute verschwunden ist.

Der erste Kennel Club wurde 1925 gegründet. Als nächstes europäisches Land begann Holland mit der Afghanenzucht. In Deutschland wurde man auf diese Hunderasse von dem holländischen Züchter Major Jungeling aufmerksam gemacht, als dieser 1932 in Dortmund erstmals zwei schwarze und einen hellen Afghanen vorstellte.

Im Zuchtbuch von 1933-36 hieß es über den Afghanen: "Er ist einer der merkwürdigsten unter den Windhunden und zugleich einer der originellsten."

Der Afghanische Windhund heute:

Der Afghane ist kein Hund für jedermann. Aufgrund seiner charakteristischen Eigenschaften wie sein enormes Laufbedürfnis, sein starker Hetztrieb, sein Hang zur Unabhängigkeit sowie das Pflegebedürfnis seines seidigen Haarkleides ist diese Rasse nur für hundeerfahrene, einfühlsame und sportliche Menschen geeignet, die genügend Zeit in die Beschäftigung mit diesem Hund investieren wollen und können.

Die beste Beschäftigung für Afghanen ist das Training auf der Windhunderennbahn, dort können diese Hunde ihre Triebe des Laufen- und Hetzen-Wollens so richtig ausleben.

Alternativ ist auch die Begleitung beim Joggen, Radfahren oder Reiten für den Afghanen eine geeignete Bewegungsmöglichkeit.

Durch sein imposantes Aussehen und seine geschmeidigen Bewegungen sowie das wunderschöne seidige Haarkleid wurde der Afghane schnell zu einem beliebten Begleithund, besonders auch in adligen Kreisen.

Die Erziehung muss mit viel Geduld, Liebe und Konsequenz erfolgen, da seine Eigenwilligkeit angeboren ist und er zu ausgeprägtem Dominanzverhalten neigt. Beim Spaziergang kann man ihn kaum von der Leine lassen, da er bei Entdeckung von Wild oder einer Katze nicht mehr zu bremsen wäre. Der Afghane ist ein Sichtjäger, das heißt, er hetzt Wild, das er sehen kann!
Nicht wie bei anderen Hunderassen, die auch mit der Nase Fährten verfolgen.

Ein großer umzäunter Garten sollte unbedingt vorhanden sein. Sein überschäumendes Temperament verbirgt der Afghane hinter einem allgemein ruhigen Verhalten, erst bei geeigneter Gelegenheit, wie z.B. im Spiel mit Artgenossen, zeigt sich sein wahrer Charakter.

Steckbrief vom Afghanischen Windhund
Ursprung: Afghanistan
Patronat: Großbritannien
Körperbau: Kopf: stolz erhoben, orientalischer Gesichtsausdruck, langer nicht zu schmaler Schädel mit Haarschopf bedeckt; dunkle, leicht schräge dreieckige Augen; tiefe, weit hinten am Kopf angesetzte Ohren, dicht anliegend mit langem Haar
Körper: schlanker, eleganter Körperbau mit geradem, mäßig langem Rücken, gut bemuskelt
Rute: nicht zu kurz, tief angesetzt und am Ende geringelt, hoch in der Bewegung, spärlich befedert
Gliedmaßen: kräfigte Knochen, gut bemuskelt, lange Haare
Bewegung: fließend, federnd, schwungvoll und geschmeidig
Farben: alle Farben erlaubt
Haarkleid: feines langes Haar mit markantem Haarschopf, Flaum an den Ohren, Pfoten und Schultern; kurzes Haar auf dem Rücken und am Sattel, Vordermittelfüße dürfen kahl sein
regelmäßiges Bürsten und Baden
Größe: Rüde 68 - 74 cm Widerristhöhe
Hündin 63 - 69 cm Widerristhöhe
Gewicht: zwischen 20–30 kg
Anmerkung zu den Fotos beim Windhunderennen

Beim Windhunderennen laufen zumeist mehrere Hunde gemeinsam in einer Bahn. Für sie ist das vor ihnen gezogene Flatterband oder falschen Hasen - die "Beute" - die es zu bekommen gilt. Jeder Hund rechts oder links ist ein potenzieller Nebenbuhler der einem die Beute wegschnappen könnte. Selten kennen sich auch die laufenden Hunde - so wäre eine Beißerei vorprogrammiert. Damit dieses nicht geschieht, laufen die Hunde mit einer Art "Beißschutz" in Form eines Rennmaulkorbes. Es ist ein Gitter was genügend Spielraum für die Atmung und Zunge der Hunde bietet - aber keine Möglichkeit seinen Nachbarn mit Zähnen zu attackieren. Gerade am Ziel kennen die Hunde kein halten mehr und jeder stürzt sich auf die Beute. Das wäre ohne die speziellen Rennmaulkörbe einfach zu gefährlich und auch das Jagdobjekt würde unter Beiß- und Reißattaken nicht lange halten.


Buchvorstellungen, DVD, Kalender oder anderes zum Afghanischen Windhund