Wolfskralle - Nur ein Mythos des Hundes?

Während alle Hunderassen an den Vorderläufen je 5 Zehen haben, sind an den Hinterpfoten normalerweise nur 4 Zehen vorhanden. Es kommt aber auch vor, dass hinten noch eine 5. oder gar eine 6. Zehe (doppelte Wolfskralle) entweder an nur einem Fuß oder an beiden Hinterläufen vorhanden ist, diese Zehen werden als Afterkralle, Afterzehe, Afterklaue oder Wolfskralle bezeichnet.

Die Wolfskralle befindet sich an der Innenseite des Hinterfußes und zwar in relativ großem Abstand zu den anderen Zehen. Die Afterkralle hat beim Laufen keinen Bodenkontakt. Häufig ist die Wolfskralle keine voll ausgebildete Kralle, sondern befindet sich in verkümmertem Zustand.

Trotz des Namens Wolfskralle ist diese zusätzliche Zehe kein Erbe der Wölfe, wie man meinen könnte. Bei Wölfen gibt es keine zusätzlichen 5. Zehen an den Hintergliedmaßen.


Wolfskrallen können bei allen Hunderassen auftreten, jedoch sind sie bei den kleinen Rassen eher selten. Große und mittelgroße Rassen wie zum Beispiel Bernhardiner, Mastiffs, Neufundländer oder Leonberger, auch einige Hütehunderassen, sind häufiger betroffen. Bei manchen Rassen wie Berger de Brie, Beauceron oder Kuvasz (Foto) sind die Afterkrallen sogar doppelt vorhanden und auch vom FCI-Standard verlangt.

Beim Züchter wurden Wolfskrallen beim nur wenige Tage alten Welpen bereits entfernt, dies ist aber seit der Neufassung des Tierschutzgesetzes vom 1.6.1998 verboten. Vorher durften diese Amputationen bei bis zu drei Tage alten Welpen ohne Narkose vorgenommen werden (wie auch das Kürzen der Rute), da die Welpen angeblich noch nicht so schmerzempfindlich wären.

Manche Züchter vertreten den Standpunkt, dass das Verletzungsrisiko an der Afterkralle relativ groß ist. Ich selbst bin der Meinung, dass man Wolfskrallen in Ruhe lassen soll, es besteht keine Veranlassung, diese zu entfernen.

Ein erhöhtes Verletzungsrisiko konnte mir bisher noch niemand bestätigen, dessen Hund Wolfskrallen besitzt. Es kann immer mal vorkommen, dass eine Kralle im Spiel oder auch z.B. beim Laufen über ein Gitterrost verletzt wird, dies betrifft aber alle Krallen und nicht häufiger Wolfskrallen. Wenn man sich heute auf Anraten seines Tierarztes für eine Entfernung der Wolfskrallen entscheidet, so wird das im geeigneten Alter des Hundes mit einer Narkose vorgenommen.

Man sollte aber die Wolfskrallen regelmäßig kontrollieren und beim routinemäßigen Tierarztbesuch anschauen lassen. Es könnte nötig sein, die Afterkrallen hin und wieder kürzen zu lassen, da sie sich ja normalerweise nicht wie andere Krallen abnutzen. Auch kann es vorkommen, dass die Wolfskrallen sichelförmig ins Fleisch einwachsen, wenn man sie nicht kürzt. Manche Hunde sorgen selbst für die nötige Pflege und kauen sich überlange Krallen auf normale Länge ab.

Ein Sprichwort besagt bei diesen Rassen, in der Wolfskralle würden Kraft und Härte sowie der Mut des Hundes verkörpert. Mit der Entfernung der Wolfskralle würde sich das Wesen des Hundes verändern. Bei Hütehunden heißt es, sie könnten mit Wolfskrallen besser über die Rücken der Schafe laufen! ;-)

Übrigens: Der berühmte Bernhardiner Barry (1800 – 1814), der in den schneebedeckten Schweizer Bergen zur Rettung zahlreicher Menschenleben beigetragen hat, hatte an beiden Hinterfüßen Wolfskrallen! Ich könnte mir vorstellen, dass ihm gerade diese zusätzlichen Krallen vielleicht einen besonders guten Halt im Schnee gegeben hatten.