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Kaninchenzucht

Fast jeder Kaninchenhalter spielt irgendwann mit dem Gedanken, von seinem süßen Hoppel vielleicht Nachkommen zu ziehen. Da es aber genügend Kaninchenzüchter gibt, sollte man sich dies gut überlegen. Denn so süß die Kaninchenbabys auch aussehen, sie werden schneller erwachsen als man denkt. Für den geplanten Wurf sollte man bereits vorher feste Abnehmer haben oder den Wunsch und die Möglichkeit, die Jungtiere selbst behalten zu können. Ansonsten sollte man auf die unkontrollierte Züchtung von Kaninchen verzichten. Genügend unerwünschter Kaninchennachwuchs sitzt in unseren Tierheimen.

Kaninchenmutter mit Jungtier, etwa 6 Wochen alt

Voraussetzungen 

Obwohl Kaninchen bereits mit etwa 12 Wochen geschlechtsreif werden, sollte sowohl das männliche als auch das weibliche Kaninchen mindestens sechs Monate alt sein, noch besser 10 Monate, bevor man damit züchtet. Die Kaninchen müssen gesund und sollten gut entwickelt sein. Es darf keine Verwandtschaft des weiblichen mit dem männlichen Kaninchen bestehen. 

Paarung

Bei einem Kaninchen kann man nicht (wie zum Beispiel bei Hündinnen) von einer „Hitze“ sprechen, da der Eisprung bei Kaninchen erst durch die Begattung ausgelöst wird.

Man sollte auch immer darauf achten, die Häsin zum Rammler zu setzen, nicht umgekehrt. Da Kaninchendamen ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten haben, verletzen sie unter Umständen den Rammler oder sie könnte im eigenen Reich eher nicht bereit sein, sich von ihm decken zu lassen.

Der Rammler wird die Häsin umkreisen und beide werden Grunzlaute von sich geben. Ist die Häsin zur Paarung bereit, hebt sie die Hinterläufe auf und schiebt die Blume (das Schwänzchen) zur Seite. (Dieses Verhalten kann man auch bei scheinträchtigen Häsinnen beobachten.) Der Rammler darf sie nun besteigen. Manche Rammler fallen nach dem Deckakt mit einem Grunzlaut, zur Seite gelegten Ohren und geschlossenen Augen von der Häsin, anderen sieht man gar nichts an. Gleich darauf wird der Rammler die Häsin gleich wieder besteigen wollen. Hier sollte man beobachten, wie sich die Häsin verhält und im Falle eines Angriffes der Häsin beide sofort trennen.

Auch sollten weibliche und männliche Tiere während Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht der Jungen getrennt gehalten werden, da es vorkommen kann, dass der Rammler die Jungen tot beißt, um die Häsin erneut zu decken!

Scheinschwangerschaft

Manchmal kommt es vor, das ein Kaninchen zwar gedeckt, aber nicht tragend wird. Dieses kann passieren, wenn es zum Zeitpunkt der Bedeckung zu keinem Eisprung beim Weibchen kam. Anschließend durchläuft das Weibchen aber alles Stationen als wenn sie trächtig geworden wäre, nur das am Ende keine Kaninchen in der Wurfbox liegen werden.

Trächtigkeit

Ob das Kaninchen Trächtig geworden ist, kann man schwer feststellen. Anhand von Verhaltensänderungen kann man jedoch Rückschlüsse ziehen. Manche werdende Kaninchenmütter werden zickiger und wollen keinen Kontakt mehr zum Menschen. Bei anderen schlägt es um, ein normalerweise zurückhaltendes Kaninchen sucht die Nähe des Menschen und wird sogar schmusebedürftiger. Auch können sich spezielle Vorlieben beim Futter herausstellen, die es so zuvor noch nicht gezeigt hat. Wichtig ist, hat man seine Kaninchen gepaart oder vermutet es sei Trächtig, ist die Beobachtungsgabe des Tierhalters wichtiger denn je.

Nach einiger Zeit kann man aber auch äußerliche Veränderungen feststellen. Das Weibchen bekommt einen dickeren Bauch, welchen man aber zuerst kaum wahrnimmt. Mit entsprechender Erfahrung kann man den Nachwuchs jedoch an einem kleinen „Knoten“ ertasten. Aber Vorsicht, nicht zu fest auf diesem Knoten herumdrücken damit den Kleinen nichts passiert! Gut zu erkennen sind jedoch die Zitzen des Kaninchen, welche immer dicker werden. Um Gewissheit zu bekommen kann man zur Trächtigkeitsfeststellung einen Tierarzt aufsuchen. Dieser kann mit Hilfe von Ultraschall Gefahrlos nachschauen bevor man sich Verrückt macht. Nimmt die Trächtigkeit weiter zu, nimmt auch der Bauchumfang des Kaninchens bedeutend zu und mit einer Portion Glück sieht man schon deutliche Bewegungen der Föten im Mutterleib. Eine Trächtigkeit dauert etwa 29-33 Tage.

Während dieser Zeit sollte man der werdenden Mutter viel Eiweiß- und Vitaminreiches Futter zur Verfügung stellen.

Hochträchtige Kaninchen brauchen Ruhe und man sollte jedweden Stress für sie vermeiden. Wenn man sie aus dem Käfig nimmt sollten Schmuseeinheiten immer Vorrang vor wilden Spielen einnehmen. Auch sollte man sie möglichst von Rammlern fernhalten.



Geburtsvorbereitungen

Etwa zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin sollte man die Häsin in eine Wurfbox umsetzen oder die Wurfkiste in ihren Stall stellen. Jegliche Aufregung sollte ihr erspart werden.

Kaninchendamen bauen ca. ein bis zwei Tage vor der Geburt ihr Nest. Sie trägt in dieser Zeit Stroh und Heu zu dem künftigen Nestplatz. Kurz vor der Geburt rupft sie sich Fell aus dem Bauch, um die Zitzen freizulegen. Dieser weiche Bauchflaum wird dazu verwendet, um das Nest schön warm zu polstern.

Niemals sollte ein gebautes Nest einer trächtigen Häsin zerstört oder angefasst werden.

Geburt

Die Geburt selbst verläuft normalerweise problemlos. Meist geschieht dies in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Die Häsin trägt die Jungen ins Nest und frisst die Nachgeburt auf. Ein Kaninchenwurf besteht aus etwa zwei bis sechs Jungtieren, je nach Rasse und Alter bzw. bereits vorherigen Geburten der Häsin. Je jünger die Häsin bzw. je geburtsunerfahrener, umso kleiner fällt normalerweise die Wurfstärke aus.
 

Zwei Kaninchenbabys im Nest, etwa 5 Tage alt 

Sollte die Häsin die Babys nicht ins Nest legen, muss man, um die Kleinen vor dem Erfrieren zu retten, die Hände mit klarem Wasser abspülen, die Häsin streicheln und anschließend vorsichtig die Jungen ins Nest legen. Wie bei Wildtieren, sind Kaninchen empfindlich, was den Geruch der Jungtiere angeht. Deshalb sollten die Babys die ersten Tage nicht angefasst oder gar herumgetragen werden. Sonst könnte es passieren, dass die Häsin die Jungen nicht mehr annimmt. 

Verstoßene Jungtiere mit der Hand aufzuziehen ist möglich, aber umso schwieriger, je kleiner die Kaninchenbabys sind. Spezielle Aufzuchtmilch und Tipps hierzu erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt.

Bei einer unerfahrenen Häsin kann es leider vorkommen, dass sie ihre eigenen Jungen tot beißt bzw. auffrisst. 

Eine vorsichtige Nestkontrolle kurz nach der Geburt und anschließend mindestens zweimal täglich sollte unbedingt gemacht werden, um evtl. tote Tiere sofort zu entfernen. Auch sollte regelmäßig nachgeschaut werden, wie sich die Kleinen entwickeln.

Von dem Gerücht, man sollte einer tragenden oder säugenden Häsin ein Stückchen Wurst oder Hackfleisch geben, halte ich nichts. Das Futter sollte weiterhin eiweiß- und vitaminreich sein. Im Zoogeschäft oder beim Futtermittelhändler kann man zusätzlich zum Frischfutter geeignete Futtermittel erwerben.

Entwicklung der Jungen

Da Kaninchenmütter ihre Babys höchstens ein- bis zweimal am Tag säugen und das meist in der Nacht, sollte man sich keine Gedanken machen, wenn sie nicht den ganzen Tag im Nest sitzt.

Der erste Tag:
Kaninchen sind Nesthocker und kommen nackt, blind und taub zur Welt. Man kann höchstens an der Hautfarbe erkennen, ob das Kaninchen, hell, dunkel oder gescheckt wird.

Ab dem 5. Tag:
Jetzt ist das Fell schon entwickelt und wird schön dicht und man kann die Farben schon toll erkennen.

Ab dem 10 Tag: 
Die Jungtiere öffnen die Augen und haben ihr vollständiges Fell. Man sieht, wie sie sich schon im Nest bewegen und die ersten Versuche machen, dieses zu verlassen.

Ab dem 15 Tag:
Ab hier geht es richtig schnell mit den Jungen. Sie verlassen das Nest, gehen ihrer Mutter schon im Stall nach und probieren das erste Heu und Trockenfutter, dennoch werden sie noch gesäugt. Sie werden von Tag zu Tag neugieriger und frecher. Man sollte die Jungen, denen man jetzt schon fast beim Wachsen zusehen kann, jedoch mindestens bis zum Alter von 6 - 8 Wochen bei der Mutter lassen. 

6. bis 8. Woche:
Nun dürfen die Kleinen von der Mutter getrennt werden. Sie fressen selbstständig und benötigen keine Muttermilch mehr. Jedoch sollten die Jungtiere untereinander noch zusammen bleiben. Das Geschlecht lässt sich mit 6 - 8 Wochen schon feststellen.

12. Woche:
Mit 12 Wochen sollte man die Babys nach Geschlechtern trennen, da es „frühreife“ Kaninchen gibt, die mit diesem Alter schon geschlechtsreif werden. Jetzt ist auch der geeignete Abgabetermin.
 

unterschiedlich entwickelte Geschwister, etwa 14 Tage alt
Zwergkaninchen im Alter von 15 Tagen
 
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Copyright 10/2003 © Tierwissen.de
Text: Nike und Kim  (Scheinschwangerschaft und Trächtigkeit) B. Mielewczyk Fotos: Kim
Layout: Chaweradesign



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